Umfrage: Gute Daten für den neuen ÖVP-Chef

19. Oktober 2014, 17:45
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Die Bünde und die Bundesländer gelten den (potenziellen) Wählern als die Klötze an den Beinen der Volkspartei - dem neuen Obmann wird allerdings zugetraut, dass er seine Sache künftig besser machen wird.

Linz - Erfüllt sich nun der - nach jedem Obmannwechsel gehegte - Traum der ÖVP, dass es endlich einmal aufwärtsgehen wird? Die aktuellen Umfragedaten legen es nahe: 36 Prozent der Österreicher sind derzeit der Meinung, dass es unter Reinhold Mitterlehner für die kleine Regierungspartei einen Aufschwung geben wird - nur 29 Prozent sagen, dass das wohl nicht der Fall sein würde.

Und das geht nicht nur aus der jüngsten Market-Umfrage hervor, sondern auch aus einer Reihe in den vergangenen Tagen publizierten Hochrechnungen der Sonntagsfrage: Gallup sah in der Vorwoche die ÖVP mit 24 Prozent praktisch beim Wahlergebnis des Vorjahres und nur einen Prozentpunkt hinter der SPÖ und zwei hinter der FPÖ, schreibt Österreich . Und Unique Research gibt jeder der drei Mittelparteien in einer von Profil veröffentlichten Hochrechnung 25 bis 26 Prozent.

Market hatte eine Woche davor für den STANDARD errechnet, dass die ÖVP auf 21 Prozent kommen könnte - einen Prozentpunkt hinter der SPÖ, aber fünf Prozentpunkte hinter der FPÖ zu liegen käme. In derselben Umfrage wurden verschiedene Aussagen über den Zustand der ÖVP abgefragt.

Erster Befund beim Betrachten der Ergebnisgrafik oben: Der neue Obmann hat sich rasch durchgesetzt - das attestieren ihm 45 Prozent der Wahlberechtigten und rund zwei Drittel der Anhänger der Koalitionsparteien.

Und dass er seine Sache besser machen würde als Vorgänger Michael Spindelegger, trauen ihm 46 Prozent zu - besonders die Anhänger der eigenen Partei, aber auch Gefolgsleute von SPÖ und Neos.

Vergleich mit Spindelegger

Der Vergleich mit Spindelegger sollte sicher machen - wenn man die Daten außer Acht lässt, die im Frühjahr 2011 mit analoger Fragestellung beim Wechsel von Josef Pröll zu Spindelegger erhoben wurden.

Da zeigt sich nämlich, dass Spindeleggers Durchsetzungsfähigkeit deutlich höher eingeschätzt wurde - 58 Prozent sagten damals, dies sei ihm rasch gelungen. 50 Prozent meinten damals, Spindelegger könne gut mit Kanzler Werner Faymann zusammenarbeiten, bei Mitterlehner sehen das nur 41 Prozent.

Allerdings: Mitterlehner hat mehr positive Ausstrahlung als Spindelegger: Diesem hatten seinerzeit nur 31 Prozent zugetraut, seine Sache besser zu machen, als dem (bis zu seiner schweren Erkrankung höchst beliebten) Vorgänger Josef Pröll. 43 Prozent hatten schon 2011 geahnt, dass es mit Spindelegger nicht so gut gehen werde - bei Mitterlehner nehmen nur 17 Prozent an, dass er eine schlechtere Performance als Spindelegger aufweisen wird.

Wenig Erwartung an Partei

Sowenig Mitterlehner umstritten scheint - nur 17 Prozent glauben, dass es einen besseren Kandidaten gegeben hätte, im Jahr 2011 meinten das 28 Prozent -, so schwer ist der Stand, den die ÖVP als Partei hat: Der Ansicht, dass die ÖVP die Interessen Österreichs über die Interessen der Partei stelle, folgt nicht einmal eine eindeutige Mehrheit ihrer eigenen Anhänger. In der Gesamtheit der Wahlberechtigten sind fast zwei Drittel der Meinung, dass es der ÖVP mehr um die Partei als um das Land ginge. In dreieinhalb Jahren ist das Vertrauen in eine staatstragende Rolle der Volkspartei von 21 auf 15 Prozent geschrumpft.

Die ideologische Ausrichtung spielt offenkundig kaum noch eine Rolle: Nur 15 Prozent erwarten einen Schwenk nach links, gar nur sieben Prozent einen nach rechts - Spindelegger hatten noch 23 Prozent eine Bewegung nach links, 28 Prozent eine nach rechts zugetraut. Aber letztlich werde ohnehin zu viel in die Partei hineingeredet - das beklagen zwei Drittel der Befragten. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 20.10.2014)

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