Russisches Gas: Die EU zahlt

Kommentar19. Oktober 2014, 17:16
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De facto wird die Union die Altschulden der Ukraine bei Gasprom übernehmen müssen

Die Ukraine und Russland haben sich auf Gaslieferungen bis März verständigt. Damit keimt die Hoffnung auf, dass auch andere Konflikte - allen voran die Auseinandersetzungen in der Ostukraine - beendet werden. Frierende Menschen und stehende Produktionen wären alles andere als dazu angetan, das Verhältnis der beiden Nationen zu verbessern. Aufatmen kann auch die EU, sind doch mehrere Länder nicht nur von russischem Gas, sondern auch von Pipelines durch die Ukraine abhängig.

Allerdings erhält Europa die Belieferung nicht zum Nulltarif. De facto wird die EU die Altschulden der Ukraine bei Gasprom von 4,5 Milliarden Dollar übernehmen müssen. Das erscheint schon einigermaßen bizarr: Einerseits wird Moskau wegen der Krim-Annexion und der militärischen Beteiligung in der Ostukraine sanktioniert, andererseits werden Milliarden nach Russland überwiesen.

Einzige Schlussfolgerung, die Europa schon längst hätte ziehen müssen: alternative Gasrouten und Energieträger zu forcieren. Gerade weil diese Umstellungen nicht von heute auf morgen bewerkstelligt werden können, wäre ein entschlossenes Handeln nach der Gaskrise 2009 notwendig gewesen. Doch besser spät als nie, also: Eigenproduktion in Europa und Importe aus Nordafrika oder Norwegen erhöhen. Aufbau von Flüssiggasterminals, Rückzug aus der fossilen Energie. Das wird mit Kosten verbunden sein, doch Unabhängigkeit gibt es nicht zum Nulltarif. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 20.10.2014)

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