Papst feierte Messe zur Seligsprechung von Paul VI.

19. Oktober 2014, 11:33
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Franziskus begrüßte seinen Vorgänger Benedikt XVI.

Vatikanstadt/Rom - An der Spitze einer Prozession aus Bischöfen und Kardinälen ist Papst Franziskus am Sonntag auf den Petersplatz gezogen, wo er die Messe für die Seligsprechung seines Vorgängers Paul VI. zelebriert. An der Messe beteiligte sich auch der emeritierte Papst Benedikt XVI., den Franziskus herzlich begrüßte. Tausende Pilger waren auf dem Petersplatz versammelt.

Der feierliche Ritus fand im Rahmen der Abschlusszeremonie der Weltbischofssynode über die Familienseelsorge statt, die am 5. Oktober begonnen hatte. Die Messe wurde von mehreren Kardinälen und Bischöfen mitzelebriert, darunter Synodenrelator Kardinal Peter Erdö. Am Gottesdienst waren auch die beiden noch von diesem Konzilpapst kreierten Kardinäle Paulo Evaristo Arns (93) aus Brasilien und der US-Amerikaner William Wakefield Baum (88) anwesend.

Blutbefleckte Hemden

Der neue Selige wird am 26. September jeden Jahres gefeiert, dem Geburtstag von Paul VI. Als Reliquie des neuen Seligen wurden während der Messe auf dem Petersplatz zwei blutbefleckte Hemden zum Altar getragen, die Paul VI. beim Attentatsversuch 1970 auf den Philippinen getragen hatte. Der nach Manila gereiste Papst war dort von einem offenkundig Geistesgestörten durch Messerstiche verletzt worden. Der langjährige Privatsekretär des Papstes, der 2006 im Alter von 83 Jahren verstorbene Erzbischof Pasquale Macchi, hatte danach die beiden Hemden den Diözesen Mailand und Brescia geschenkt. In Brescia wurde Giovanni Battista Montini geboren, in Mailand war er vor seiner Papstwahl Erzbischof.

Mit einem Dekret hatte der Vatikan Ende 2012 dem 1897 in Brescia geborenen Papst den "heroischen Tugendgrad" bestätigt. Giovanni Montini hatte als Papst das von Johannes XXIII. (1958-63) eröffnete Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) fortgesetzt, abgeschlossen und später dessen Beschlüsse umgesetzt. Die vatikanische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen hatte im vergangenen Frühjahr ein Wunder anerkannt, das auf den Papst zurückzuführen sei. Montini soll die Genesung eines noch ungeborenen Kindes bewirkt haben. Er soll am 19. Oktober am Ende der Bischofssynode seliggesprochen werden. Die Synode war von Paul VI. eingeführt worden.

Paul VI. steht im Schatten seines populären Vorgängers Johannes XXIII. (1958-63) und seines charismatischen Nachfolgers Johannes Paul II. (1978-2005). Manchem Zeitgenossen galt er als zu zaudernd und zögerlich. Sein Bemühen, die Umbrüche des Konzils behutsam umzusetzen, ging aber Reformern nicht weit genug, in konservativen Kreisen galt er sogar als zu progressiv. (APA, 19.10.2014)

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