Briten sind wütend über Reallohnverluste

19. Oktober 2014, 10:45
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Zehntausende Briten sind am Wochenende mit der Forderung nach Lohnerhöhungen durch London gezogen

London - Zehntausende Briten sind am Samstag mit der Forderung nach Lohnerhöhungen durch London gezogen. Nach Angaben des Gewerkschaftsbundes Trades Union Congress (TUC) waren 80.000 Menschen dem Aufruf gefolgt, gegen die Sparpolitik der Regierung und kräftige Reallohnverluste zu protestieren. Die Regierung verwies auf den Wirtschaftsaufschwung sowie die niedrige Arbeitslosigkeit und lehnte einen Kurswechsel ab.

"Großbritannien braucht höhere Löhne", hieß es auf Transparenten. Außerdem wurden "superreiche Parasiten" angeprangert, die ihrer Steuerzahlerpflicht nicht nachkämen. Verschiedene Untersuchungen belegen, dass viele Briten im Laufe der vergangenen Jahre Reallohnverluste hinnehmen mussten. Nach Angaben des Institute for Policy Research halten die Lohnsteigerungen seit 2008 nicht mehr mit der Inflation mit, nach einer Berechnung der New Economics Foundation summierten sich die Reallohnverluste für die große Mehrheit der Bevölkerung auf etwa zehn Prozent seit 2006.

Botschaft an Cameron

"Die Menschen haben die Nase voll", sagte TUC-Chef Frances O'Grady. "Sie sehen, dass die Bezahlung der Topmanager abhebt, und verlangen ihren Anteil an der wirtschaftlichen Erholung." Die Botschaft richtete sich in erster Linie an den konservativen Premierminister David Cameron. Die Gewerkschaften warnten aber auch die oppositionelle Labour-Partei davor, eine "Sparpolitik light" zu verfolgen.

Ein Sprecher des Finanzministeriums verwies darauf, dass die Spar- und Reformpolitik einen Aufschwung in Gang gesetzt habe. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt Großbritannien für dieses Jahr ein Wachstum von 3,2 Prozent voraus, damit liegt das Königreich deutlich über dem EU-Durchschnitt. Der Ministeriumssprecher verwies überdies auf die niedrige Arbeitslosigkeit von sechs Prozent. "Der langfristige Plan der Regierung funktioniert", sagte er. "Der einzige nachhaltige Weg zu einem höheren Lebensstandard ist das Festhalten an dem Plan." (APA, 19.10.2014)

  • Mit der Forderung nach Lohnerhöhungen sollen rund 80.000 Menschen durch die Straßen von London gezogen sein.
    apa/epa/hannah mckay

    Mit der Forderung nach Lohnerhöhungen sollen rund 80.000 Menschen durch die Straßen von London gezogen sein.

  • Studien zufolge musste viele Briten in den vergangenen Jahren Reallohnverluste hinnehmen.
    apa/epa/hannah mckay

    Studien zufolge musste viele Briten in den vergangenen Jahren Reallohnverluste hinnehmen.

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