Bischofssynode im Vatikan: Keine Einigkeit bei Homo-Ehe und Scheidung

19. Oktober 2014, 08:33
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Kein Erdbeben in der katholischen Kirche - Papst warnte vor "feindlicher Erstarrung" und "falscher Barmherzigkeit"

Rom - Am Ende macht es die Regie im Vatikan noch einmal richtig spannend: Die Vorstellung der Ergebnisse von zwei Wochen voller Diskussionen um heikle Themen für die katholische Kirche verzögert sich, weil das Abschlussdokument noch kopiert werden muss. Ganz am Ende des 20-seitigen "Relatio Synodi" steht eine schlichte Tabelle, die übersetzt bedeutet: Einmütig war diese Veranstaltung nicht immer.

Die bloßen Zahlen illustrieren schwarz auf weiß das Ergebnis der alles entscheidenden Abstimmung der Familiensynode. In der Vatikan-Synodenaula hatten die Bischöfe zuvor - Punkt für Punkt - über das Dokument entschieden und in der übergroßen Mehrheit der Themen Einmütigkeit erzielt, also mindestens mit Zwei-Drittel-Mehrheit dafür votiert. Nicht so bei den Punkten 52, 53 und 55, die sich um den Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen und Geschiedenen drehen. Zwar steht auch hier eine Mehrheit der Bischöfe hinter den Formulierungen, aber eben keine "qualifizierte".

Kein lehramtliches Dokument

Die Zahlen sind wichtig, denn ohne die Zwei-Drittel-Mehrheit wird nicht die Haltung der Synode repräsentiert, wie Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi am Abend erläutert. Quasi im gleichen Atemzug betont er aber auch: Abschlussdokument hin oder her - es ist kein lehramtliches Dokument, über die Themen wird weiter gesprochen.

Offen sprechen und zuhören - das hatte Papst Franziskus von den Bischöfen zum Start der Synode gefordert. Und tatsächlich debattierten die rund 200 Bischöfe zwei Wochen lang in einer vorher von vielen nicht für möglich gehaltenen Art und Weise über für die Kirche so heikle Themen wie Verhütung, Homo-Ehe, Scheidung, Polygamie und die zerstörerischen Folgen von Krieg, wirtschaftlicher Not und Unterdrückung für Familien.

Sogar die "einfachen" Kirchenmitglieder in aller Welt waren nach ihrer Meinung gefragt worden. Das Ergebnis: Viele Gläubige fühlen eine Kluft zwischen ihrem wirklichen Leben und der Lehre ihrer Kirche.

Neuer Ton im Umgang mit Homosexuellen

Dieser Diagnose konnten sich die "Synodenväter" nicht verschließen, als sie mit den Beratungen im Vatikan begannen. Wie heftig dann aber diskutiert wurde, macht vielleicht die Reaktion konservativer Bischöfe auf den viel beachteten Zwischenbericht der Synode nach der ersten Woche deutlich: Nachdem dieser einen für viele Beobachter grundlegend neuen Ton im Umgang mit Homosexuellen anschlug, protestierten einige Bischöfe heftig. Sie distanzierten sich öffentlich von dem Papier und äußerten Kritik.

Sogar der Vatikan sah sich nach der Veröffentlichung des Berichts und den anschließenden Diskussionen zur Klarstellung gezwungen, dass es sich lediglich um ein Arbeitspapier handle. Es folgte, was viele dann erwartet hatten: In Kleingruppen wurde weiter gestritten, und am Ende steht ein eher "entschärftes" Papier, das ohnehin keinen verbindlichen Charakter hat und nur die Synode im kommenden Jahr vorbereitet. Ein Jahr lang wird in der Kirche also erst einmal weiter diskutiert, bevor sich tatsächlich etwas bewegen könnte.

Also doch nicht der große Wurf? Das bleibt abzuwarten. Der deutsche Vertreter Kardinal Marx sieht es so: "Es ist immer ein Auf und Ab, zwei Schritte vor und einer zurück." Er bemüht sich, das Positive zu sehen: "Wir hätten vor ein oder zwei Jahren nicht gedacht, dass diese Thematik, und auch wie sie diskutiert worden ist, möglich ist auf dieser weltkirchlichen Ebene."

Der österreichische Kardinal Christoph Schönborn kündigte an, die Ergebnisse der Familiensynode nach Österreich tragen zu wollen. Bereits am Montag soll die Öffentlichkeit bei einer Pressekonferenz informiert werden. Von 3. bis 6. November befasst sich zudem die Bischofskonferenz bei ihrer Vollversammlung in Wien mit den bei der Synode behandelten Themen Ehe und Familie.

Schönborn hatte sich bereits im Rahmen der Synode in Rom mehrfach öffentlich geäußert. Beachtung bekam er vor allem durch Aussagen zur Homosexualität. So hatte er in der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" gemeint, Bischöfe und Priester könnten sich oft vor dem vorbildlichen menschlichen Verhalten Homosexueller verneigen, auch wenn sie diese Form der Sexualität nicht absegneten. Zudem berichtete er über seine Erfahrungen als Kind geschiedener Eltern.

Papst warnte vor "feindlicher Erstarrung"

Papst Franziskus hat zum Abschluss der Bischofssynode über Ehe und Familie gleichermaßen vor einer "feindlichen Erstarrung" wie vor einer "falschen Barmherzigkeit" in der katholischen Kirche gewarnt. Ersterer Versuchung erlägen "Traditionalisten und Intellektualisten", die sich "im Geschriebenen einschließen und sich nicht von Gott überraschen lassen wollen", sagte Franziskus am Samstag.

Solche Versuchungen dürften die Bischöfe jedoch nicht erschrecken oder befremden, forderte der Papst weiter. Mit Blick auf den Verlauf der Bischofssynode sagte er: "Ich persönlich wäre sehr besorgt und betrübt, hätte es diese Versuchungen und diese emotionalen Diskussionen nicht gegeben". Sie seien die "Bewegungen des Geistes". Der Papst stellte zudem klar, dass das kirchliche Verständnis vom Ehesakrament während der Synode nie zur Diskussion gestanden sei. Dazu gehörten Unauflöslichkeit, Einheit, Treue und die Offenheit für die Weitergabe des Lebens. (APA/dpa, 19.10.2014)

  • Rund 200 Bischöfe debattierten zwei Wochen lang über heikle Themen wie Verhütung, Homo-Ehe und Scheidung.
    foto: ap photo/andrew medichini

    Rund 200 Bischöfe debattierten zwei Wochen lang über heikle Themen wie Verhütung, Homo-Ehe und Scheidung.

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