Ebola: Kreuzfahrtschiff auf Irrfahrt durch Karibik

18. Oktober 2014, 14:19
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Es werde nun direkt in die Vereinigten Staaten zurückkehren - Frau hat keine Ebola-Symptome - Obama warnt vor Hysterie

Freetown/Conakry/Monrovia - Wegen der Angst vor Ebola ist ein Kreuzfahrtschiff auf einer Irrfahrt durch die Karibik. An Bord der "Carnival Magic" befindet sich eine Frau, die als Krankenhausangestellte in den USA mit Ebola-Proben in Kontakt gekommen sein soll. Am Freitag erhielt das Kreuzfahrtschiff keine Erlaubnis, die mexikanische Insel Cozumel nahe dem Badeort Cancún anzulaufen.

Am Tag zuvor wiesen bereits die Behörden im benachbarten Belize die "Carnival Magic" ab. Zuletzt hatte das Kreuzfahrtschiff am 15. Oktober in Honduras festgemacht. Es werde nun direkt in die Vereinigten Staaten zurückkehren, um pünktlich am Sonntag wieder in Galveston im US-Bundesstaat Texas anzukommen, teilte das Unternehmen Carnival Cruise Lines am Freitag mit.

Frau unter Quarantäne

US-Außenminister John Kerry hatte wegen des Falls am Donnerstag mit dem Premierminister von Belize, Dean Barrow, telefoniert. Die USA hätten gehofft, dass die Frau von Bord und zurück nach Hause kommen könne, teilte das State Department in Washington mit. Das sei aber leider nicht der Fall gewesen.

Die Frau zeigt laut dem Unternehmen keine Symptome und steht unter Quarantäne. Die "Carnival Magic" bietet demnach Platz für rund 5.000 Passagiere und Besatzungsmitglieder.

Obama warnt vor Hysterie

US-Präsident Barack Obama hat die Amerikaner ermahnt, angesichts des lebensgefährlichen Ebola-Virus' nicht in Angst oder Hysterie zu verfallen. "Wir müssen uns von der Wissenschaft leiten lassen", sagte Obama in seiner wöchentlichen Video-Ansprache am Samstag.

In den USA handle es sich auch nicht um einen "Ausbruch" oder eine "Epidemie", sondern lediglich um drei bekannte Fälle bei mehr als 300 Millionen Einwohnern. "Wir müssen das in der richtigen Perspektive sehen." Jedes Jahr würden Tausende Amerikaner an der Grippe sterben.

Zu den Diskussionen über ein mögliches Flugverbot für Reisende aus den betroffenen Ländern sagte Obama, die USA könnten sich nicht einfach von Westafrika abschneiden. "Der Versuch, eine gesamte Region von der Welt abzuschotten - wenn das überhaupt möglich wäre - könnte die Lage tatsächlich verschlimmern." Die USA würden die globalen Bemühungen im Kampf gegen das Virus in Liberia, Sierra Leone und Guinea weiter anführen, um die Krankheit an ihrer Quelle zu stoppen.

Cameron: EU soll Finanzmittel erhöhen

Großbritanniens Premierminister David Cameron hat die Europäische Union (EU) aufgefordert, die Finanzmittel im Kampf gegen Ebola auf eine Milliarde Euro zu erhöhen. "Es muss noch viel mehr getan werden", schrieb Cameron in einem Brief an EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und die EU-Regierungschefs.

Auf dem bevorstehenden EU-Gipfel in Brüssel in der nächsten Woche müsse ein "ehrgeiziges Unterstützungspaket" beschlossen werden. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben bisher 450 Millionen Euro zur Bekämpfung der Krankheit in den westafrikanischen Krisenländern bereitgestellt. Davon entfielen 180 Millionen Euro auf die EU-Kommission. Großbritannien gab nach Angaben der Regierung bisher umgerechnet 157 Millionen Euro.

USA und Kuba kämpfen gemeinsam gegen Ebola

Kubanische Ärzte und US-Soldaten könnten in Westafrika demnächst Seite an Seite gegen die Ebola-Epidemie kämpfen und damit vielleicht zu einer Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen beitragen. Kuba entsendet von allen Staaten das größte Kontingent medizinischen Personals in die Region, wo nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon mehr als 4.500 Menschen an der Krankheit starben.

165 Ärzte und Schwestern aus dem Karibikstaat sind bereits in Sierra Leone, weitere 296 sollen nächste Woche nach Liberia und Guinea reisen. Die USA schicken 3.000 Militärs zur Ebola-Bekämpfung nach Westafrika, neben Ärzten und Pflegern vor allem Logistikexperten. "Wir werden Seite an Seite arbeiten ... mit jedem, der dort ist", sagte der Direktor der kubanischen Klinik für Tropenkrankheiten, Jorge Perez, am Freitag. Das schließe auch die Amerikaner ein. ( APA/dpa)

  • Mexiko wies "Carnival Magic" aus Angst vor Ebola ab.
    foto: stringer/mexico

    Mexiko wies "Carnival Magic" aus Angst vor Ebola ab.

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