Wort der Woche: Fußfessel

18. Oktober 2014, 09:00
8 Postings

Klotz am Bein: Nach sechs Monaten Haft darf Ernst Strasser theoretisch die Fußfessel benutzen

Die Fessel und der Fuß stehen seit je in einem Naheverhältnis zueinander, faktisch ebenso sehr wie etymologisch. Fessel ist nicht nur das Instrument, mit dem gefesselt wird (Strick, Band, Draht etc.), sondern auch das Beinstück zwischen Wade und Huf beim Pferd (bzw. Fußgelenk beim Menschen). "Da auch Tiere unten am Fuß gebunden und gefesselt werden", erläutern die Brüder Grimm, "so ergab sich leicht, dass Fessel den unteren Teil des tierischen Fußes bezeichnet". So gesehen wirkt der Begriff der "Fußfessel" also fast schon redundant.

Ernst Strasser hat seit dieser Woche theoretisch die Möglichkeit, nach sechs Monaten Gefängnisaufenthalt das damit verbundene Haftübel gegen eine "Fußfessel" einzutauschen. So nennt der Volksmund nicht präzise, aber verständlich das, was der Jurist als "elektronisch überwachten Hausarrest" bezeichnet. Nicht präzise ist der Volksmund deshalb, weil die "Fußfessel" die Beweglichkeit nur sehr mittelbar, im übertragenen Sinn einschränkt, aber das ist ja bei fesselnden Büchern, fesselnden Filmen und fesselnden Charakteren auch nicht anders.

Die vorelektronische, vor allem in angloamerikanischen Ländern verbreitete Variante der Fußfessel basiert nicht auf strenger GPS-Überwachung, sondern auf den ganghemmenden Eigenschaften einer schweren ans Bein geketteten Eisenkugel ("Ball and Chain"). Ob man sich mit einer Fußfessel nun auf freiem Fuß befindet oder nicht, ist eine offene sprachphilosophische Frage. Ein lästiger Klotz am Bein ist das Ding jedenfalls immer. (win, DER STANDARD, 18.10.2014)

Share if you care.