Sportförderungsfonds gibt "Unschärfen" bei Verbandsranking zu

17. Oktober 2014, 18:00
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BSFF strebt "Weiterentwicklung des Modells " an, er selbst verursacht Kosten von 900.000 Euro im Jahr

Wien - "Es hat keine Probe-Durchrechnung gegeben." Auch deshalb schließt Wolfgang Gotschke, Geschäftsführer des Bundes-Sportförderungsfonds (BSFF), Einflussnahme aus. "Niemand hat sich etwas gerichtet." Der BSFF steht in der Kritik, weil die von ihm eingesetzte Bundes-Sportkonferenz (BSK) ein umstrittenes Ranking der 60 heimischen Sportverbände erstellt hat. Dabei stach auch ins Auge, dass immerhin vier Verbände durch ihre Spitzen in der zehnköpfigen BSK vertreten sind, Skiverband (1.), Fußballbund (6.), Bob- und Skeletonverband (9.) sowie Leichtathletikverband (13.). Sie alle haben es locker unter die ersten 25 Verbände geschafft, die am vier Millionen Euro schweren Kuchen mitnaschen.

Gotschke sagt, er könne die Aufregung, die das Ranking verursachte, in einigen Fällen "nachvollziehen". Der nur an 37. Stelle gereihte Handballverband habe das Pech gehabt, dass keine offizielle Handball-Weltrangliste existiert. Hätte man die inoffizielle herangezogen, so wären die Handballer übrigens an 15. Stelle des Rankings gelandet.

Fehler will Gotschke nicht eingestehen, "Unschärfen in der Version eins" gibt er zu. Und er kündigt an, dass die Parameter, die zur Erstellung des Rankings führten, bald schon anders aussehen werden. So sollen zur Bewertung der Medienpräsenz einer Sportart nicht mehr bloß ORF 1 und 2, sondern auch diverse andere TV-Sender herangezogen werden. Und Nachwuchsresultaten könnte künftig etwas weniger Bedeutung beigemessen werden. Aktuell haben sie das Bild verzerrt, das war etwa für den Bob- und Skeletonverband, dessen Nachwuchs viele internationale Spitzenresultate erzielte, ein wahrer Segen. So erklärt sich der neunte Platz - und nicht etwa dadurch, dass die Verbandspräsidentin Astrid Stadler gleichzeitig Vorsitzende der Bundes-Sportkonferenz ist.

Keine gute Optik

Die Optik ist alles andere denn ideal, das weiß auch Gotschke. "Wir arbeiten an der Weiterentwicklung des Modells." Dass der BSFF, wie die Internetplattform "laola1.at" berichtet, jährlich Kosten von 900.000 Euro verursacht, bestätigt der Geschäftsführer. "Verwaltungskosten", sprich Personal- und Bürokosten. Neun Personen sind im BSFF angestellt, Gotschke besetzt eine von acht Vollzeitstellen, dazu eine Stelle für dreißig Stunden. BSK-Vorsitzende Stadler kassiert pro Sitzung 500 Euro, für alle BSK-Mitglieder werden jährlich 56.000 Euro veranschlagt, der auf Rang 19 klassierte Eishockeyverband kassiert weit weniger (45.400). Infostrada Sports wird die Zusammenfassung von Daten und Ergebnissen mit 6000 Euro abgegolten. Künftig könnten auch Mediapräsenz- und Werbewertanalysen etwas kosten, der BSFF verhandelt mit der Agentur United Synergies.

Auf Sicht soll eine "Verwaltungsvereinfachung" das Ziel sein, wobei laut Gotschke "im ersten Jahr natürlich besonders viel Arbeit angefallen ist" . Ob in der Bundes Sport Organisation (BSO), die früher für die Verteilung der Fördermittel zuständig war und diese Verantwortung dem BSFF abgetreten hat, nun eingespart wird, bleibt freilich abzuwarten. Zur Beruhigung der Verbände betont Gotschke, dass "nur ein Zehntel" der Fördermittel für den Spitzensport (40 Mio. Euro) aufgrund des Verbandsrankings vergeben werde. Freilich ist der Bundes-Sportförderungsfonds, der dann unzählige eingereichte Projekte der Verbände zu bewerten haben wird, auch für die Verteilung der anderen neun Zehntel zuständig. Und das beruhigt die Verbände eher weniger. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 18.10.2014)

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