"Headshot" auf Arte: Müll muss nicht glänzen

17. Oktober 2014, 18:03
5 Postings

Der Sender für anspruchsvolle öffnet mit der Reihe "Trash" die untere Schublade

Auf Arte läuft Müll. Der Sender für Anspruchsvolle öffnet mit der Reihe "Trash" die untere Schublade. Was sich somit auftut, ist eine gewisse Ablenkung für die Zuschauer, die sich fragen müssen: Was macht den mir als "Trash" vorgesetzten Film zu Müll? Und was macht ihn zu Müll der Extraklasse? Denn wäre er nicht Letzteres, würde ihn Arte mit seiner Ausstrahlung wohl nicht adeln.

"Scheißkapitalismus"

Man hat also gut zu tun, während der schrottige thailändische Film Headshot in der Nacht auf Freitag lief. Das gilt auch für Tul, der den titelgebenden Kopfschuss abbekommt. Tul war früher Polizist von der idealistischen Sorte. Der Staatsdienst enttäuscht ihn schwer, er hadert mit dem Justizsystem in Thailand. Da trifft Tul auf den mysteriösen Dr. Dämon, ein Gedankenaustausch über den "Scheißkapitalismus" und "böse Gene" beginnt.

"Elimierungsexperte"

Schließlich heuert er Tul als "Eliminierungsexperte" an, um Drogenhändler, Börsenschwindler und auch Steuerhinterzieher aus der Welt zu schaffen. Die Odyssee beginnt. Schießereien mit hörbar billigen Platzpatronen und - plötzlich ganz Splatter - Blutspritzern auf der Kamera, Verfolgungsjagden, die einen schon nach Sekunden ratlos zurücklassen, wer, wem, wo hinterherrennt. Und während Tul seinen Körper mit Gewichten stählt, muss auch der Intellekt mit ein paar Sit-ups mit. "Gerechtigkeit gibt es in der Natur nicht, sie ist eine Erfindung des Menschen", lässt uns Dr. Dämon, offenbar Professor für Armchair Philosophy, wissen.

"Ein atemberaubendes, ungewöhnliches Experiment", will Arte den feinen Unterschied zwischen Trash und Trash da festmachen. Dabei ist der Film einfach nur Müll - ist doch auch in Ordnung. (Beate Hausbichler, DER STANDARD, 18.10.2014)

Share if you care.