Vogts hat fertig: "Den Spielern geht es nur um die Kohle"

11. November 2014, 16:54
40 Postings

Aserbaidschans deutscher Teamchef zieht nach 0:6-Debakel in Kroatien Konsequenzen. Sechs Jahre hatt er in Baku amtiert

Köln/Zürich - Aserbaidschan ist für Berti Vogts Vergangenheit. Am Montagabend war das Maß für den deutschen Teamchef der Kaukasier endgültig voll. Nicht nur die 0:6-Pleite seines Teams beim EM-Qualifikationsspiel in Kroatien hatte Vogts verärgert.

Es war vor allem die Art und Weise, wie sich seine Mannschaft präsentiert hatte, die dem 67-Jährigen die Petersilie verhagelte. "Das war Standfußball. Fußball ist ein Laufspiel, aber das haben einige Spieler nicht kapiert. Die denken nur an ihre Kohle und tun nichts dafür. Das kann ich nicht mehr mitmachen."

Am Donnerstag hatte Vogts Aserbaidschans Verbandschef Rownag Abdullajew seine Entscheidung mitgeteilt. "Er war sehr traurig. Es tut mir auch leid für ihn, denn er ist ein sehr netter Mann", meinte der ehemalige deutsche Bundestrainer (1990 bis 1998, EM-Titel '96).

"Nach dem knappen 1:2 in Italien haben die Spieler keinerlei professionelle Einstellung an den Tag gelegt und deshalb sind wir drei Tage später so unter die Räder gekommen. Wenn eine Mannschaft nicht bereit ist zu kämpfen, zu laufen und alles zu geben, dann kann ich das nicht akzeptieren. Ich habe dem Präsidenten gesagt, dass es unter diesen Umständen keinen Sinn mehr hat."

Verband bedauert

Aserbaidschans Fußballverband AFFA bedauerte den Rücktritt des ehemaligen Welt- und Europameisters, der 2008 seinen Dienst in Baku angetreten hatte und im Dezember vergangenen Jahres seinen Vertrag noch einmal bis zum Ende der Qualifikation für Frankreich 2016 verlängert hatte. "Berti Vogts hat eine Menge für den aserbaidschanischen Fußball getan und zu einer positiven Entwicklung beigetragen", verlautbarte Abdullajew. Immerhin hat sich die Mannschaft in den sechs Jahren unter Vogts in der FIFA-Weltrangliste vom 147. auf den 73. Platz verbessert.

"Die Arbeit hat mir lange Zeit Spaß gemacht. Aber jetzt war der Zeitpunkt erreicht, wo es nicht mehr weitergeht. Beim Fußball muss man Spaß haben, aber diesen Profis geht es nicht um Spaß und Erfolg, sondern ausschließlich ums Geld", teilte Vogts weiter aus.

Seine Mannschaft konnte in ersten drei Spielen der Qualifikation nicht punkten. In der Kampagne um die WM 2014 hatten am Ende immerhin neun Punkte auf der Habenseite gestanden. "Davon darf sich der Verband nicht blenden lassen, sonst erleben sie als Gastgeber der paneuropäischen EM 2020 die Spiele nur als Zuschauer", warnte Vogts. (sid/red - 17.10. 2014)

  • Berti Vogts lässt Aserbaidschan hinter sich, die Einstellung seiner Kicker war dem ehemaligen "Terrier" zu lax.
    foto: apa/epa/fusco

    Berti Vogts lässt Aserbaidschan hinter sich, die Einstellung seiner Kicker war dem ehemaligen "Terrier" zu lax.

Share if you care.