Jobzugang für Asylwerber: Kein Schutz für Inländer

Kommentar17. Oktober 2014, 17:41
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Ohne massive Deutschkurse und Fördermaßnahmen wären wohl ohnehin nur wenige Flüchtlinge arbeitsmarktfit

Sozialminister Rudolf Hundstorfer bleibt dabei: Zwar will er nach der Wortmeldung von ÖGB-Chef Erich Foglar, der sich für einen leichteren Arbeitsmarktzugang für Asylwerber ausspricht, die Sozialpartner erneut zu dem Thema befragen, doch für ihn wäre mehr Liberalität angesichts von immer mehr Jobsuchenden verkehrt.

Dieses Argument ist populär, denn es verspricht Schutz für "einheimische" Arbeitnehmer. Die Frage ist nur, ob es auch stimmt: Das ist stark zu bezweifeln, denn erstens taucht eine ganze Reihe der derzeit ohne Selbsterhaltungsrecht dastehenden Schutzsuchenden in Schwarzarbeit ab: Sie üben zu Hungerentgelten Tätigkeiten aus, für die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Kräfte mehr gesucht werden. Und zweitens wären ohne massive Deutschkurse und Fördermaßnahmen wohl ohnehin nur wenige Flüchtlinge arbeitsmarktfit. Würde man solche Maßnahmen starten, könnte man die Effekte des Arbeitsmarktzugangs für Asylwerber gerade damit gut steuern.

Abgesehen davon berücksichtigt eine reine arbeitsmarktpolitische Betrachtung nicht den gesellschaftspolitischen Stellenwert des Themas: Ob Asylwerbern erlaubt ist, für ihren Lebensunterhalt selbst zu sorgen oder nicht, entscheidet ganz zentral über die Stimmung mit, die Flüchtlingen im Land entgegenschlägt. Und diese wiederum bestimmt das Gesellschaftsklima insgesamt. Das sollte wohl auch ein Sozialminister berücksichtigen. (Irene Brickner, DER STANDARD, 18.10.2014)

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