Geldpolitik: Party auf dem Drahtseil

Kommentar17. Oktober 2014, 17:23
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Die mitverschuldete Unsicherheit trägt nicht zu einem guten Investitionsklima bei

Der vielfach beschworene Ausstieg aus der Krisenpolitik der Zentralbanken rückt wieder in weite Ferne. Nach den jüngsten Kursturbulenzen an den Finanzmärkten reagieren Notenbanker dies- und jenseits des Atlantiks mit verbalen Schwenks. Das Ende der milliardenschweren Anleihenkäufe in den USA könnte genauso wie eine Zinserhöhung in England auf sich warten lassen.

Noch vor kurzem lauschten dieselben Vertreter den Warnungen der Ökonomen des Internationalen Währungsfonds. Die Finanzmärkte seien angesichts der überquellenden Zentralbankliquidität mancherorts heißgelaufen, die Gefahr von Vermögenspreisblasen gestiegen. Auch in den Zentralbanken selbst warnen jene Ökonomen, die für die Finanzstabilität verantwortlich sind, vor den Risiken.

Die Geldpolitiker selbst haben Angst davor, die Party an den Finanzmärkten zu unterbrechen, weil schlechtere Stimmung der wirtschaftlichen Erholung nicht förderlich ist. So mancher Notenbanker muss damit einen gefährlichen Drahtseilakt vollführen. Wann immer Anleger als Folge lockerer Geldpolitik als zu euphorisch und zu gierig gelten, wird gewarnt. Doch wenn die Kurse fallen und die Öffentlichkeit den Eindruck gewinnt, dass eine nächste Krise kommt, werden dieselben Geldpolitiker Druckmaschinen bei Fuß stehen, um die Märkte zu stabilisieren. Die so mitverschuldete Unsicherheit trägt aber nicht zu einem guten Investitionsklima bei - und ist damit Teil des Problems. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 18.10.2014)

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