Londoner Luftgebot für Museumsformat

17. Oktober 2014, 17:43
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Für Gerhard Richter klingelte bei Auktionen in dieser Woche dank Folgerecht die Kasse

Nicht jeder Kunstsammler ist auch Besitzer eines Lofts mit überdurchschnittlicher Raumhöhe. Das könnte einer der Gründe gewesen sein, warum Anfang dieser Woche bei Christie's in London die Anzahl der Bieter bei manchen der 44 Kunstwerke - von Thaddaeus Ropac als die "Kronjuwelen" der Sammlung Essl bezeichnet - überschaubar blieb. Nicht bei Maria Lassnig, deren Zwei Maler, drei Leinwände Ropac bei brutto 182.500 Pfund (231.410 Euro, inkl. Aufgeld) vor dem Scheitern rettete. Ein Stützungskauf, gilt es zu vermuten, der allerdings unter in Österreich geläufigen Werten erfolgte.

Auch nicht bei Andreas Gurskys Hong Kong, Grand Hyatt Park, ein Fotoprint von 1994, der auf Wunsch des Künstlers vor der Auktion zurückgezogen werden musste: Der "bad condition" wegen, erklärte Jussi Pylkkänen (Christie's-Präsident und Chairman Europa, EMRI) und verweist auf einige Kratzer. Gursky wird nun einen neuen Abzug produzieren, der im Februar zur Auktion kommen soll. Ob dafür Produktionskosten anfallen und wer diese übernehmen wird, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Große Dimensionen

Einige der anderen Werke fielen aufgrund ihrer Dimensionen jedenfalls in die Kategorie Museumsformat: Rosemarie Trockels Blumen-Strickbild (3,2 mal 1,6m) von 1988 beispielsweise (642.242 Euro) oder auch Morris Louis' Eta (2,58 mal 4,04m) von 1961, das mit 2,3 Millionen Euro knapp am neuen Künstlerweltrekord vorbeischrammte und dessen neuer Besitzer offenbar über entsprechende Präsentationsfläche verfügt.

Und natürlich Gerhard Richters aus vier Panelen bestehende Wolken (Fenster) nicht zu vergessen: Dem Vernehmen nach bewilligte Art Adviser Mary Hoeveler (im Auftrag eines Klienten) für das zwei mal vier Meter große Werk 6,24 Millionen Pfund bzw. 7,91 Millionen Euro. Das ist zwar weit entfernt von einem neuen Künstlerrekord (Sotheby's New York: Domplatz Mailand, 28,61 Mio. Euro), könnte jedoch als der höchste diese Woche bei Londoner Auktionen erteilte Zuschlag notieren.

Zumindest bei Christie's wurde dieser Wert Donnerstagabend mit keinem der 99 verklopften Kunstwerke (67,9 Mio. Pfund / 85,5 Mio. Euro) übertroffen. Der Evening Sale der Sparte Contemporary bei Kontrahent Sotheby's stand bei Redaktionsschluss noch bevor.

Gemessen an den diese Woche in London versteigerten Kunstwerken gehörte Gerhard Richter in puncto Folgerechtsabgabe (maximal 12.500 Euro je Bild) zu den Großverdienern, allfällige Verkäufe im Rahmen der Frieze noch nicht berücksichtigt. Während bei Phillips (15. 10.) zwei Arbeiten und bei Christie's (16. 10.) eine weitere unverkauft blieben, fanden sieben seiner Werke neue Besitzer. Insgesamt darf sich Richter demnach vorerst über ein Zubrot von 80.750 Euro freuen.

Darin inkludiert sind auch 12.500 Euro des Essl-Schützlings Netz, der während der Auktion bei 5,8 Millionen Pfund (netto) gescheitert war. Dabei hatte es sich offensichtlich um ein sogenanntes "Chandelier Bid" gehandelt, wie jene Luftgebote bezeichnet werden, die den Unterbieter aufgrund des vom Einbringer festgelegten Limits zu einem höheren motivieren sollte. Im Nachverkauf waren die darunter liegenden 5,5 Millionen Pfund (6,97 Millionen Euro) dann allemal recht. (kron, Album, DER STANDARD, 18./19.10.2014)

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