Ebola: Wie am Flughafen Wien bei Verdacht reagiert wird

17. Oktober 2014, 13:58
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Ablaufschema der Maßnahmen des Gesundheitsministeriums

Die Einschleppung von Ebola-Fällen nach Österreich kann geschehen. Das Risiko ist aber relativ gering, weil es keine Direktflüge zwischen Westafrika und Wien gibt. Trotzdem ist man am VIE-Airport vorbereitet. Das Gesundheitsministerium hat ein Ablaufschema für den Fall der Fälle erstellt, gemäß dem gehandelt werden soll. Hier die Details:

Es muss zunächst an Bord eines Flugzeugs bei einem Passagier ein medizinischer Notfall (Medical Emergency) vorliegen. Die Crew nimmt innerhalb des Flugzeuges eine Situationsbeurteilung durch. Ergibt sich kein Verdacht auf eine infektiöse Krankheit läuft das ganz normale Prozedere für solche Fälle ab.

Notfallgate eingerichtet

Bei Verdacht einer infektiösen Erkrankung informiert der Pilot per Funk via Tower den Flughafen: "Medical Emergency infektiös".

Das Flugzeug fährt kein Gate an, sondern bleibt auf dem Vorfeld zum Flughafengebäude. Es wird ein "Notfallgate" organisiert, Busse für den Abtransport der Passagiere zum Notfallgate werden bereitgestellt. Der Flughafen verständigt die zuständige Bezirkshauptmannschaft (außerhalb der dortigen Dienstzeiten die Landeswarnzentrale), diese in weiterer Folge den Amtsarzt.

Kontaminationsrisiko wird erhoben

Zurück zu dem betroffenen Passagierflugzeug: Die Feuerwehr bringt der Crew "Passenger Locater Cards" mit mehrsprachiger Anleitung (Registrierung der Personal-/Aufenthaltsdaten), eine Grundschutzausrüstung für die Bordmannschaft, ein Informationsblatt für die Durchsage der Crew an die Passagiere sowie Sammelbehälter für gebrauchte Schutzausrüstung.

Gleichzeitig ist bereits der NÖ-Rettungsdienst informiert worden. Ein Arzt des Flughafens untersucht und behandelt den Patienten, so dies möglich ist. Der Arzt erhebt das Kontaminationsrisiko und die Crew informiert die Passagiere via Durchsage. Das Bodenpersonal, vor allem die Flugzeugabfertiger, wird mit Schutzausrüstung ausgestattet.

Desinfektionsmaßnahmen im Hygienezentrum

Der Abtransport des Patienten unter optimalen Schutzmaßnahmen erfolgt direkt vom Flugzeug aus. Im Hygienezentrum der MA15 in Wien erfolgen die Desinfektionsmaßnahmen.

Für die anderen Passagiere geht es mit den ausgefüllten Formularen (Passenger Locator Cards) per Bus zu dem eingerichteten Notfallgate. Dort bestimmt der Amtsarzt das Expositionsrisiko. Die Einteilung der Passagiere erfolgt in zwei Kategorien: exponiert/nicht exponiert.

Drei Wochen Inkubationszeit

Als exponiert gelten: die Cabin Crew, Passagiere, die in unmittelbarer Nähe zum Verdachtsfall sitzen (auch über den Gang hinweg). Personen, die direkten Kontakt mit Sekreten des Patienten gehabt hatten. Das gilt auch für Personen, die in bestimmten Toiletten direkten Kontakt mit möglicherweise kontaminiertem Material hatten.

Als nicht exponiert gelten alle anderen Passagiere des Flugzeugs, auch die Piloten und alle Personen, die keinen direkten Kontakt mit zu dem Verdachtsfall oder Sekreten von ihm hatten (Kontakt mit während des Fluges exponierten Personen stellt sonst kein Risiko dar).

Flüchtlinge stellen im Vergleich zu Flugpassagieren ein viel geringeres Risiko für das Einschleppen der Erkrankung nach Europa dar. Dazu dauert die Reise viel zu lange. Die Inkubationszeit beträgt bis zu drei Wochen, Ebola-Kranke können aber wohl kaum auf anderen Wegen als per Flugzeug bis nach Europa kommen. (APA, red, derStandard.at, 17.10.2014)

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