Grasser gegen Haunold: Showdown im Gericht

17. Oktober 2014, 17:21
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Am Montag geht der Streit von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser mit seinem Exsteuerberater weiter

Wien - Vor den Sicherheitsschleusen des Wiener Handelsgerichts wird es am Montag zu Schlangenbildung kommen. Um neun Uhr geht der in der Öffentlichkeit vielbeachtete Zivilprozess Karl-Heinz Grassers gegen seinen ehemaligen Steuerberater Peter Haunold bzw. Deloitte in die nächste Runde. Und diesmal wird Grasser auch kommen (Stand: Freitagnachmittag; im Sommer musste die Verhandlung wegen seiner Lungenentzündung abgesagt werden).

Auf dem Plan steht die Einvernahme des klagenden Exfinanzministers, dessen Rechtsbeistand in dieser Causa Exjustizminister Dieter Böhmdorfer (FPÖ, BZÖ) ist. Am Dienstag wird dann Haunold als Beklagter aussagen.

Worum es in der Causa geht: Haunold (er ist Partner in der Wirtschaftsprüfungskanzlei Deloitte) hat Grasser 2007 beraten, als der nach seiner Ministerzeit zu Meinl wechselte. Umgesetzt wurde damals eine komplizierte Stiftungskonstruktion für Grassers Einkünfte rund um Meinl-Gesellschaften. "Es war klar, dass da hohe Summen fließen werden. Ich wollte damals eine Konstruktion, die für meine Altersvorsorge wirkt, die mir Diskretion vor der Öffentlichkeit gewährt und Haftungsabschirmung bei meiner Beratungstätigkeit", erklärte Grasser bei einem Hintergrundgespräch am Freitag in Wien. Darum sei er "zum Besten auf diesem Gebiet", eben zu Haunold gegangen.

Stiftung wirkte nicht

Was aus der Geschichte wurde, weiß man inzwischen landauf und landab: Die Finanzbehörde erkennt die Stiftungskonstruktion nicht an, sie rechnet Grasser die "Meinl-Einkünfte" (rund neun Mio. Euro) persönlich zu. In einem (nicht rechtskräftigen) Bescheid von Februar 2013 schreibt sie dem Exminister rund 5,4 Millionen Euro an Steuernachzahlung vor. Und: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung - auch gegen Haunold (Beihilfe). Es gilt die Unschuldsvermutung.

An all den Unbilden ist, gemäß Grasser, sein Steuerberater schuld, weswegen er ihn zunächst auf 400.000 Euro (Beraterhonorare etc.) geklagt habe. Haunold stellt all das anders dar; er beruft sich darauf, dass Grasser die Stiftungskonstruktion verändert hat.

An spannenden Fragen mangelt es nicht: 2009 hat Haunold die Stiftungskonstruktion der Finanz offengelegt (sie hat sie abgenickt) - laut dem Exminister ist das auf seinen, Grassers, Wunsch hin geschehen. Seinen Handakt hat Haunold bisher nicht herausgegeben; Grasser vermutet darin "Beweise für meine Unschuld". (gra, DER STANDARD, 18.10.2014)

  • Karl-Heinz Grasser (re.) kämpft mit seinem Anwalt Dieter Böhmdorfer um Schadenersatz von seinem Exsteuerberater. "Ich habe null schlechtes Gewissen", sagt er sein Versteuerungsverhalten meinend.
    foto: apa/hochmuth

    Karl-Heinz Grasser (re.) kämpft mit seinem Anwalt Dieter Böhmdorfer um Schadenersatz von seinem Exsteuerberater. "Ich habe null schlechtes Gewissen", sagt er sein Versteuerungsverhalten meinend.

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