Klaus Kastberger wird neuer Leiter des Literaturhauses Graz 

17. Oktober 2014, 13:07
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Doppelfunktion auch als Professor für Gegenwartsliteratur an Universität Graz

Graz - Der gebürtige Oberösterreicher Klaus Kastberger wird mit 1. März 2015 die Leitung des Literaturhauses Graz sowie die Professur am Franz-Nabl-Institut der Universität Graz übernehmen. Der 51-jährige Germanist ging im Auswahlverfahren als klarer Sieger hervor, erklärte der aktuelle Leiter Gerhard Melzer am Freitag bei einer Pressekonferenz. Melzer wird in den Ruhestand wechseln.

Kastberger übernimmt die Doppelfunktion als Professor für Neuere deutschsprachige Literatur und Gegenwartsliteratur an der Uni Graz sowie die Managementaufgaben des Literaturhauses. Beides zusammen stelle laut Kulturstadträtin Lisa Rücker (Grüne) eine Herausforderung dar, doch sie habe in der Bewerbung den Eindruck gewonnen, Kastberger "habe Lust, das zu kombinieren". Vor der Ausschreibung seien bei einer Evaluierung der Kooperation zwischen der Uni und der Stadt klare Vorteile festgestellt worden.

Impulse aus der Literaturforschung

Rektorin Christa Neuper sprach gar von einem Dreieck zwischen Germanistik-Institut, Nabl-Institut und Literaturhaus, das Kastberger nun gestalten soll. Sie wünsche sich, dass gemeinsame Infrastruktur wie etwa die Bibliothek noch mehr genutzt und den Bürgern geöffnet werden. "Er ist in wissenschaftlicher Hinsicht ein Hochkaräter und wir erwarten uns von ihm hier in Graz Impulse aus der Literaturforschung."

Kastberger gab Einblicke in seine Vorstellungen und diagnostizierte der gegenwärtigen Literaturszene ein "Verschwinden des Halbvergangenen": "Ich möchte weg von der Zentrierung auf Neuerscheinungen. Ich möchte Elemente einbauen, die auch ein Buch ins Zentrum setzen, das zum Beispiel vor zwei Jahren erschienen ist." Bei der Entwicklung seiner Ideen für das Literaturhaus wolle er sich Zeit geben. Das erste Halbjahr 2015 werde noch stark von seinem Vorgänger Gerhard Melzer geprägt sein, ab Herbst soll aber eine "klare Handschrift" seinerseits erkennbar sein.

Keine Autoren "nur zur Zierde"

Weg wolle der Literaturkritiker jedenfalls von Symposien, wo ein lesender Autor "nur zur Zierde" eingeladen ist. Wissenschafter und Literaten sollen in Diskussionen tatsächlich interagieren können. Trotz all seiner Ideen, werde nicht alles anders im Literaturhaus, denn es habe einen guten Ruf und das solle auch so bleiben.

In der Lehre will Kastberger seinen Schwerpunkt auf österreichische Literatur aus dem 20. und 21. Jahrhundert sowie auf "echte" Gegenwartsliteratur legen: "Meine Gegenwart endet nicht mit 1980." (APA, 17.10.2014)

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