Europa-Asien-Gipfel rief zu Koordination gegen Epidemie auf

Video17. Oktober 2014, 18:48
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Laut Abschlusserklärung "ernsthafte Gefahr" - Großbritannien weitet Ebola-Kontrollen auf Flughäfen aus - Obama ernennt Ebola-Beauftragten

Freetown - Die Teilnehmer des Europa-Asien-Gipfels in Mailand haben zu mehr internationaler Kooperation im Kampf gegen die Ebola-Epidemie aufgerufen. In der Abschlusserklärung zum Spitzentreffen wird die Ausbreitung des Virus als "ernsthafte Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit auf der ganzen Welt" bezeichnet. Es müsse eine umfassende und koordinierte Strategie gegen die Krankheit geben, heißt es in dem Dokument.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso warnte, die Epidemie könne zu einer "schwerwiegenden humanitären Katastrophe" werden. Das Virus sei bei weitem "nicht nur ein Problem einiger westafrikanischer Staaten". An dem Gipfel am Donnerstag und Freitag nahmen insgesamt rund 50 hochrangige Politiker aus Europa und Asien teil.

Kritik von Ärzte ohne Grenzen

Am Donnerstag hatten die EU-Gesundheitsminister einander in Brüssel getroffen, danach hat die Organisation Ärzte ohne Grenzen den Kampf der EU gegen die Ausbreitung der Ebola in Westafrika kritisiert. "Durch früheres entschiedenes Handeln hätte die Epidemie eingegrenzt werden können", sagte Tankred Stöbe, Vorstandschef der deutschen Sektion, der "Frankfurter Rundschau". Er kritisierte auch die Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie habe auf Warnungen "nur zögerlich" reagiert.

Angeblicher Verdachtsfall im Kosovo

Am Freitag wurde ein erster angeblicher Ebola-Verdachtsfall von lokalen Medien im Kosovo gemeldet. Laut der Presseagentur Kosovapress wurden beim Patienten die für Ebola charakteristische Symptome - Durchfall, Brechreiz und Müdigkeit - festgestellt. Laboranalysen standen noch aus.

In Spanien konnte hingegen bei zwei von sechs mit Ebola-Verdacht ins Krankenhaus gebrachten Patienten Entwarnung gegeben werden: Dabei handelte es sich um einen Passagier aus Nigeria, der am Donnerstag auf dem Weiterflug von Paris nach Madrid von Schüttelfrost befallen wurde und einen Patienten, der im selben Krankenwagen wie eine Ebola-infizierte Krankenschwester behandelt worden war. Beide wurden negativ getestet, hieß es von Behördenseite.

Soldaten entsenden

Die EU-Gesundheitsminister hatten am Donnerstag unter anderem auch über strengere Ausreisekontrollen in Westafrika beraten. Ärzte ohne Grenzen rief die EU-Staaten auch auf, nach US-Vorbild Soldaten nach Afrika zu entsenden. US-Präsident Barack Obama hatte dem Verteidigungsministerium grünes Licht gegeben, für den Ebola-Einsatz in Westafrika auch Reservisten zu rekrutieren. Er unterschrieb eine entsprechende Anordnung am Donnerstag, wie das Weiße Haus mitteilte.

Washington hatte kürzlich beschlossen, bis zu 4.000 Soldaten in die vom Virus besonders betroffenen afrikanischen Länder zu schicken. Sie sollen dort helfen, Ebola-Behandlungszentren einzurichten sowie lokale Gesundheitsexperten auszubilden. Das Pentagon teilte dazu mit, dass 540 US-Soldaten bereits eingetroffen seien. Auch aus Ostafrika werden mehr als 600 Pflegekräfte, Ärzte und andere Helfer zum Einsatz in die Krisenregion entsandt.

US-Ebola-Beauftragter Ron Klain

Obama hat außerdem einen Ebola-Beauftragten eingesetzt. Der Jurist und frühere Stabschef von Vize-Präsident Joe Biden, Ron Klain, werde mit der Koordination der Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus beauftragt, sagte ein Regierungsvertreter am Freitag. Klain sei dem Heimatschutzministerium unterstellt.

Obama hat sich gegen Einreiseverbote - wie sie beispielsweise von Jamaika und anderen Karibikstaaten verhängt wurden - für Menschen aus den besonders betroffenen Ländern Westafrikas ausgesprochen. Die gegenwärtigen Früherkennungsmaßnahmen funktionierten, sagte er nach einem Treffen mit Experten.

Briten weiten Ebola-Screenings aus

Der britische Premierminister David Cameron rief andere europäische Länder auf, ebenfalls Ebola-Screenings an ihren Flughäfen einzuführen. Großbritannien will seine Ebola-Kontrollen an Flughäfen ausweiten. Neben Heathrow und Gatwick sollen auch in Manchester und Birmingham Reisende auf Symptome gecheckt und befragt werden. Frankreich hatte am Donnerstag angekündigt, vom Wochenende an alle Passagiere von Flügen aus den von dem tödlichen Virus betroffenen Gebieten in Westafrika zu kontrollieren.

Um Flughafen-Mitarbeiter vor dem Ebola-Virus zu schützen führt zudem der Brüsseler Flughafen künftig Gepäckkontrollen durch. Grund sei eine wachsende Furcht des Personals vor Ebola, teilte der Flughafen der belgischen Hauptstadt am Freitag mit.

Senegal ebolafrei

Den Ebola-Ausbruch im Senegal erklärte die WHO am Freitag offiziell für beendet. Die WHO geht zudem davon aus, dass auch Nigeria inzwischen frei von Ebola ist, offiziell gibt es dafür aber noch keine Bestätigung. Doch durch konsequente Isolierung infizierter Personen sei es gelungen, einen Ausbruch der tödlichen Krankheit zu verhindern, hieß es Donnerstagabend in deutschen Regierungskreisen.

Die Zahlungen der UN-Mitgliedstaaten in den Sondertopf zur Bekämpfung von Ebola sind einem Bericht der "New York Times" zufolge bisher weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Anstatt der von den Vereinten Nationen geforderten eine Milliarde Dollar seien bisher nur 100.000 Dollar (rund 79.000 Euro) eingegangen. Das bis dato eingelangte Geld stammt demnach von der kolumbianischen Regierung.

Bisher 4.500 Tote

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind bisher mehr als 4.500 Menschen an Ebola gestorben, vor allem in Liberia, Guinea und Sierra Leone. Die Zahl der Infizierten hat bereits die Marke von 9.000 überschritten. Verstärkt wurden die Sorgen in den USA durch die Infektion einer zweiten Krankenschwester in Texas, die kurz vor dem Ausbruch der Krankheit eine Flugreise unternahm und mit mehreren Personen in Kontakt kam. Sie gehörte zu den Betreuern eines mittlerweile gestorbenen Ebola-Patienten.

Am Freitag wurde außerdem bekannt, dass eine weitere Pflegekraft der texanischen Klinik, in der ein Ebola-Patient kürzlich verstarb, ist auf einem Kreuzfahrtschiff unter Quarantäne gestellt worden ist. Wie das US-Außenministerium weiter mitteilte, habe sie keine Ebola-Symptome. (APA/Reuters, 17.10.2014)

  • storyful, youtube/texas health resources

    Video von Nina Pham, der Krankenschwester in Dallas, die derzeit behandelt wird.

  • Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind bisher knapp 4.500 Menschen an Ebola gestorben.
    foto: ap/duff

    Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind bisher knapp 4.500 Menschen an Ebola gestorben.

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