Mit EU-Datenbank und Kontrollen gegen Ebola

16. Oktober 2014, 22:58
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Eine EU-weite Strategie gegen Ebola gibt es auch nach dem Gesundheitsministertreffen in Brüssel nicht, Ziel ist die Einrichtung einer Datenbank

Während des Air-France-1300-Fluges von Lagos nach Madrid begann ein Mann aus Nigeria zu zittern und sich zu schütteln, wie die Flughafenbehörde Aena am Donnerstag mitteilte. Das Flugzeug wurde wegen der Sorge, der Mann könne Ebola haben, auf dem Flughafen Barajas in Madrid auf einem gesonderten Platz geparkt, die Passagiere aus der Maschine geholt, besagter Mann notfallversorgt, und der Flieger musste zur Desinfektion auf dem Boden bleiben. Auch in Dänemark wurde am Donnerstag Alarm geschlagen: Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen meldete einen Verdachtsfall bei einem Mitarbeiter, der aus Westafrika zurückgekommen war - am Abend konnte allerdings Entwarnung gegeben werden.

Künftig sollen Vorfälle wie diese aber noch besser durch Maßnahmen in den betroffenen Ländern vermieden werden. Auf Schritte mit diesem Ziel hätten sich die Gesundheitsminister der EU-Mitgliedstaaten bei einem Treffen in Brüssel am Donnerstag verständigt, wie Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) danach dem Standard sagte.

Besser koordinieren

Allerdings hat die Union diesbezüglich keine Durchsetzungskompetenz, der Schutz ist vielmehr auf nationaler Ebene geregelt. Die Minister verständigten sich bei dem Meinungsaustausch aber darauf, sich besser koordinieren und vor allem darauf konzentrieren zu wollen, ein Einschleppen der Seuche in die Union zu verhindern.

So soll das sogenannte Exit-Screening - Temperaturchecks und Fragebögen bei der Ausreise - verstärkt werden. Einreisekontrollen bei Direktflügen in die EU aus den betroffenen Ländern Sierra Leone, Guinea und Liberia sind in Großbritannien bereits an der Tagsordnung. Auch Belgien überlegt laut Oberhauser solche Schritte, Frankreich beginnt damit am Freitag. Über deren Einführung - auch auf großen Bahnhöfen - entscheiden aber weiterhin die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten. Eine EU-weite Kontrolle auf allen Flughäfen ist nicht vorgesehen, sagte der deutsche Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).

Ministerin Oberhauser sagte, sie habe sich bei dem Treffen für "mehr Datenaustausch" auf EU-Ebene - eventuell von Visa- und Passagierdaten - starkgemacht, um beispielsweise bei Auftreten eines Verdachtsfalles Menschen weiter kontaktieren zu können. Die EU-Kommission habe zugesagt, für eine entsprechende Datenbank koordinierend tätig sein zu wollen.

Außerdem wollen EU und USA in der Frage der Rückholung von Helfern, die nach Afrika fliegen, zusammenarbeiten. Deutschland werde versuchen, ein Flugzeug dafür zu bekommen, sagte Oberhauser. Österreich will mit zusätzlichen medizinischen Helfern vor Ort helfen. Bisher befinden sich fünf österreichische Helfer in der betroffenen Region.

Ein Passagier pro Tag

Von den insgesamt sechs Millionen Passagieren auf österreichischen Flughäfen im vergangenen halben Jahr waren laut Oberhauser insgesamt 160 aus den derzeit betroffenen Ländern gekommen. Man müsse demnach mit einem Passagier pro Tag aus der Region rechnen. "Das heißt, ich würde derzeit mit einer sehr strengen Eingangskontrolle übers Ziel schießen", fasste Oberhauser zusammen. Und: "Panik ist auch eine Epidemie."

Daher setze man vor allem auf das Informieren der Menschen: In Österreich sollen mehrsprachige Schilder auf Flughäfen angebracht werden, die nicht nur über Ebola, sondern auch über Mers aufklären. Derzeit werde an Flugblättern gearbeitet, die an Fluglinien verteilt werden sollen. Außerdem werde eine "nationale Taskforce" auf politischer Ebene eingerichtet, bestehend aus Verkehrsminister, Außenminister, Innenministerin und Gesundheitsministerin, um sich mit Flughafen und Bahn über ein weiteres Vorgehen zu koordinieren.

Bisher sind von EU-Seite 180 Millionen Euro für den Kampf gegen Ebola bereitgestellt worden. "Ob das reichen wird, werden wir sehen", sagte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg, der zu dem Treffen geladen hatte.

Zur Chefsache in den USA

In den USA hat sich die Angst vor einer Ausbreitung von Ebola zum innenpolitischen Chefthema entwickelt - unter anderem liegt das auch daran, dass die Republikaner mitten im Midterm-Wahlkampf die Seuche zur politischen Waffe gegen den US-Präsidenten machen. Barack Obama reagierte auf den zweiten Fall einer Infektion - einer Krankenschwester - mit der eiligen Einberufung eines Krisentreffens. Danach verkündete er eine Ausweitung der Präventivmaßnahmen und autorisierte den Einsatz von Reservisten der US-Armee zur Unterstützung der humanitären Hilfsbemühungen in der Krisenregion.

Jene 29-Jährige, auch an Ebola erkrankte Krankenschwester soll einem Behördenvertreter noch Bescheid gegeben haben, dass sie leichtes Fieber habe, bevor sie am Montag ein Flugzeug von Cleveland nach Dallas bestieg. Dass sie davor nicht zurückgehalten wurde, soll daran gelegen haben, dass ihr Fieber nicht hoch war. Der Fall sorgt dennoch für Aufregung, wobei das Ansteckungsrisiko als gering eingestuft wird.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind bis dato rund 9000 Menschen an Ebola erkrankt. Die Zahl der Todesfälle ist auf 4493 gestiegen, die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher liegen. Die WHO erwartet bis Dezember pro Woche zwischen 5000 und 10.000 neue Ebola-Fälle in Westafrika. (APA, riss, spri, tom, Der Standard, 17.10.2014)

  • Sicherheitstrainings gegen Ebola in den USA.
    foto: apa/lessner

    Sicherheitstrainings gegen Ebola in den USA.

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