Doppel hält besser

16. Oktober 2014, 17:52
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Österreichs ganz spezielle Tennis-Spezialisierung - Peya ist fürs Masters qualifiziert und schielt nach Rio

Wien - Alexander Peya hat als Tennisspieler solo vielleicht keine großen Bäume ausgerissen. Wobei, auch zu Platz 92 in der Weltrangliste und zu Duellen mit Sampras oder Roddick muss man erst einmal hinriechen. Im Doppel sieht die Welt freilich anders aus, da steht Peya stellvertretend für die Weltnation Österreich. In der Weltrangliste auf Platz fünf, folgen ihm noch drei Landsleute in den Top 70 (Julian Knowle, Oliver Marach und Jürgen Melzer). "Ein Glück und eine Situation, die nicht geplant war. Lange Zeit hatten wir kaum gute Doppelspieler. Wir haben eine Spielergeneration, die sehr gut im Einzel, aber nebenbei immer auch im Doppel im Einsatz war", sagt Peya.

Dennoch spielt das Doppel nicht die erste Geige im Österreichischen Tennisverband. "Das muss es aber auch nicht. Im Nachwuchs liegt das Hauptaugenmerk auf dem Einzel, es gibt immer wieder Ausnahmen." So verpasste der Tullner Lucas Miedler heuer das Finale der US Open im Junioren-Doppel nur knapp, Nikolaus Moser konnte seinen Erfolg als Doppel-Sieger des US Open 2008 nicht fortsetzen.

Peya/Soares gehen in Serie

Eine stolze Statistik hat Österreich beim Masters der besten Acht in London (9. bis 16. November) vorzuweisen. Nach Jürgen Melzer (2010, 2011) hat sich heuer Alexander Peya mit seinem brasilianischen Partner Bruno Soares zum zweiten Mal in Folge für das Saisonfinale qualifiziert. Julian Knowle und Oliver Marach waren je einmal dabei. Für Peya eine Bestätigung einer soliden Saison mit ständigem Auf und Ab. "Die Sandplatzsaison war schwach, und abgesehen von zwei Viertelfinali waren wir bei den Grand-Slam-Turnieren auch nicht ready."

In der Stadthalle bleibt der Wiener nach einem Erstrundenaus auch im zwölften Anlauf ohne Titel. "Mir liegen die Bedingungen leider nicht. Ich liebe die Halle wirklich, aber nicht spielerisch." London ist ein anderes Pflaster. Da erreichten Peya/Soares 2013 das Semifinale, wo sie sich knapp dem besten Doppel der Welt, den Bryan-Brüdern, geschlagen geben mussten. "Auf ein Duell mit ihnen freut man sich natürlich nie. Sie sind klar die Besten, nur an bestimmten Tagen schlagbar. Wir haben keine positive Bilanz gegen sie, aber die hat niemand."

Rio 2016 als Ziel

Mit 34 Jahren ist Peya ein Routinier auf der Tour, ans Aufhören denkt er nicht. Die Olympischen Spiele 2016 werden als großes Ziel anvisiert. Erste Option für ein österreichisches Doppel in Rio wäre Jürgen Melzer. Kritische Stimmen gegenüber dem Niederösterreicher wurden zuletzt lauter. Nach einem Rückfall in der Einzel-Weltrangliste solle er sich mehr aufs Doppel konzentrieren. "Jürgen hat das Zeug, noch einmal im Einzel aufzuzeigen. Er hat aber in seiner ganzen Karriere immer auch Doppel gespielt. Das hat ihn mehr Substanz gekostet als Top-Spieler, die nur eingleisig gefahren sind", sagt Peya.

Im Rampenlicht steht der Doppelbewerb selten. Stimmt das Peya traurig? "Schon irgendwie. Das hängt aber auch mit der Turnierplanung zusammen. Bei unserem US-Open-Semifinale letztes Jahr spielte gleichzeitig Murray gegen Wawrinka. Da sind gar nicht mehr genug Leute da, um zwei Stadien zu füllen. Wien ist super, die Stimmung in der engen B-Halle sehr intim." Allein heuer hat Peya über 400.000 Euro an Preisgeld verdient, den Umstieg aufs Doppel vor drei Jahren bereut er nicht. Im Gegenteil. "Das hätte ich schon früher machen sollen." (Florian Vetter, DER STANDARD, 16.10.2014)

  • Peya (links) schlug heuer Federer und Wawrinka. Mit Soares (rechts) im  Doppel. Und sie gewannen zwei Turniere (Queen's, Toronto).
    foto: ap/ sang tan

    Peya (links) schlug heuer Federer und Wawrinka. Mit Soares (rechts) im Doppel. Und sie gewannen zwei Turniere (Queen's, Toronto).

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