Die wahre Schönheit liegt im Parteibuch

16. Oktober 2014, 18:22
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US-Studie: Wenn wir die Attraktivität von Politikern bewerten, blicken wir durch eine buchstäblich parteiische Linse

Ithaca/Wien - Wenn Liebe blind macht, dann schaltet Sympathie zumindest den Weichzeichner ein. Menschen, denen wir uns verbunden fühlen, empfinden wir tendenziell schöner als solche, die wir ablehnen. Eine neue Studie zeigt, dass dieser Effekt offenbar auch außerhalb unseres persönlichen Umfelds wirkt, also dort, wo die Verbundenheit abstrakter ist und vermeintlich objektive Beurteilungskriterien gelten.

Ein Forscherteam um Kevin Kniffin von der US-amerikanischen Cornell University untersuchte, wie parteiisch unsere Wahrnehmung sein kann. Dafür wurden zwei Gruppen von Probanden - die einen Republikaner, die anderen Demokraten - Fotos von bekannten Spitzenpolitikern beider Parteien vorgelegt. Deren Attraktivität sollte auf einer Skala von eins bis neun bewertet werden - und durch die Bank schnitten die Vertreter der eigenen Partei besser ab.

Interessant wurde es in Teil 2 der in "The Leadership Quarterly" veröffentlichten Studie. Nun sollten die Probanden die Gesichter von Regionalpolitikern aus einem anderen Bundesstaat bewerten. Probanden mit möglichen geografischen Querverbindungen waren zuvor ausgesiebt worden, um so weit wie möglich zu garantieren, dass den Versuchsteilnehmern die Gesichter unbekannt waren. Und siehe da: Plötzlich folgte die wahrgenommene Schönheit keiner Parteilinie mehr.

Sobald man nicht mehr durch die parteiische Linse blicken kann, verschwinden "Heiligenscheine und Hörner", bringt Kniffin es auf den Punkt. Eine österreichische Variante des recht einfachen Studiendesigns mit Bildern heimischer Lokalpolitiker drängt sich geradezu auf. (jdo, DER STANDARD, 17.10.2014)

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