AbbVie zieht Bremse bei Milliardendeal

16. Oktober 2014, 17:24
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Zunächst schien die US-Regierung die Übernahmepläne von AbbVie zu kippen, nun will der Pharmakonzern auf die Fusion mit dem irischen Rivalen Shire verzichten

New York / London - Der US-Pharmakonzern AbbVie will wegen verschärfter US-Regeln gegen Steuerflucht seinen 55 Mrd. Dollar (43,42 Mrd. Euro) schweren Vorstoß zum Kauf des Rivalen Shire platzen lassen. AbbVie empfahl seinen Aktionären am Donnerstag, sich gegen den Kauf des britischen Arzneimittelherstellers zu entscheiden.

Angesichts der Veränderungen im US-Steuerrecht gehe der Vorstand nicht mehr davon aus, dass eine Fusion im Interesse der Aktionäre sei, erklärte AbbVie-Chef Richard Gonzalez. Shire winkt nun eine Ausgleichszahlung von 1,64 Mrd. Dollar, falls die AbbVie-Aktionäre der Empfehlung ihrer Konzernspitze folgen. AbbVie hatte bereits am Mittwoch erklärt, der Konzern werde das Vorhaben überdenken.

Für die Anteilseigner von Shire bedeutet das Scheitern der Übernahmepläne dennoch zunächst herbe Kursverluste. Nachdem die Shire-Aktie in London am Mittwoch bereits um 22 Prozent eingebrochen war, sackte der Kurs am Donnerstag um weitere neun Prozent ab.

Steuergründe

Für den Chicagoer Konzern waren Steuergründe ein wesentlicher Anlass für den Milliardenkauf. Denn AbbVie-Chef Gonzales hatte geplant, im Zuge der Übernahme von Shire den Firmensitz auf die britische Kanalinsel Jersey zu verlegen. Dort sind die Steuersätze deutlich niedriger als in den USA. AbbVie wollte dadurch seine Steuerquote auf 13 von bisher rund 22 Prozent drücken.

Doch die Kritik an solchen Steuerflucht-Plänen der Unternehmen war in den USA in den vergangenen Monaten immer lauter geworden. Schließlich hatte die Obama-Regierung im September eine Reihe von Maßnahmen erlassen, um Unternehmen eine Verlagerung des Firmensitzes aus Steuergründen zu erschweren.

Die neuen Regeln in den USA "machten einige finanzielle Vorteile der Transaktion zunichte", begründete AbbVie den Rückzug von den Übernahmeplänen. "Das verändert den enthaltenen Wert von Shire für AbbVie erheblich". Bei einem Aktionärstreffen sollen AbbVie-Anteilseigner nun über den Übernahmeplan abstimmen. Bei Shire gab man sich am Donnerstag zunächst schmallippig. Die Konzernführung prüfe die gegenwärtige Lage und werde sich beizeiten äußern, erklärte Shire.

Nachschub

Shire war für AbbVie aber nicht nur aus Steuergründen interessant. Mit den Briten wollte AbbVie auch das Nachschubproblem angehen. Denn AbbVie mit einem Jahresumsatz von zuletzt 18,8 Mrd. Dollar erzielt aktuell rund 60 Prozent der Verkaufserlöse mit der Arthritis-Arznei Humira - das derzeit weltweit umsatzstärkste rezeptpflichtige Medikament mit 13 Mrd. Dollar Jahreserlösen.

Der Blockbuster verliert aber in den nächsten Jahren seinen Patentschutz. Mit Shire könnten sich die US-Amerikaner mit einem Schlag eine Reihe neuer Medikamente sichern. (Reuters, DER STANDARD, 17.10.2014)

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