Slowakei: Redaktion kündigt aus Protest gegen Zeitungsverkauf Kündigung an

16. Oktober 2014, 17:16
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Investmentgruppe Penta übernahm wichtigste Tageszeitung "Sme" - Sprecher: "Investition wie jede andere"

Bratislava - Ein Journalistenaufstand von ungewöhnlichem Ausmaß sorgt für Aufsehen in der Slowakei: Fast die komplette Redaktion der angesehenen liberalen Tageszeitung "Sme" hat sich gegen den Verkauf ihres Blattes an die mächtige Finanzgruppe Penta aufgelehnt, die gesamte Redaktionsleitung hat gekündigt, ingesamt mehr als 60 Journalisten haben bisher damit gedroht. Penta ist im Zuge des "Gorilla"-Korruptionsskandals in Verruf geraten.

Die Finanzgruppe hatte über eine private Nachrichtenagentur 50 Prozent des Verlags Petit Press übernommen, dem neben "Sme" auch das meistbesuchte Internetportal sme.sk, mehrere Regionalblätter sowie die wichtige ungarischsprachige Zeitung "Uj Szo" angehören. Der Verkauf wurde Anfang der Woche vom bisherigen Eigentümer, der deutschen Rheinische Post Mediengruppe, bestätigt.

"Penta ist kein normales Unternehmen. Spätestens seit dem Gorilla-Skandal steht sie für Korruption und Bemühungen mit ihrer Macht die Politik im Land zu beeinflussen", begründete der nunmehrige Ex-Chefredakteur Matus Kostolny die drastische Protestaktion im Gespräch mit der APA.

Nach STANDARD-Infos haben bisher (Stand: Freitag) der Chefredakteur und vier weitere Journalisten gekündigt; weitere Mitglieder der Redaktion haben bisher mit Kündigung gedroht.

"Sme" als Symbol für freien Journalismus

Freie Meinungsäußerung und journalistische Freiheit seien bedroht. "Unter dem Markenzeichen Penta wird die Zeitung niemals mehr so sein wie bisher", sagte Kostolny. In den letzten 20 Jahren war "Sme" das Symbol für freien Journalismus in der Slowakei und erwarb sich vor allem durch seine kritische Linie während der Regierungszeit des umstrittenen Ministerpräsidenten Vladimir Meciar (1992-98) auch international hohes Ansehen.

Die Finanzgruppe Penta ist in der ganzen Slowakei dank dem Skandal rund um die Abhörakte Gorilla bekannt, der das Land Ende 2011 erschütterte und bis zu den größten Massenprotesten seit dem Fall des Kommunismus führte. Unbekannte hatten Geheimdienst-Abhörprotokolle ins Internet gestellt, die enge Verstrickungen zwischen Finanziers und Regierung offen legten. Demnach soll gerade die Penta über Jahre hinweg auch Regierungsmitglieder gesteuert haben. Die Causa ist bis heute nicht aufgeklärt.

Penta gehe es rein um künftigen Gewinn

Penta-Sprecher Martin Danko sagte, dass der Eintritt in den Medienmarkt "eine Investition wie jede andere" sei. Er dementierte entschieden, dass es sich um einen Versuch handeln könnte, das Blatt, in dem Penta häufig kritisiert wurde, zum Schweigen zu bringen. "Es wäre sehr kurzsichtig und irrational von uns, als Investor in die Journalistenfreiheit einzugreifen, denn der eigentliche Wert eines Mediums liegt ja gerade in seiner Unabhängigkeit und einem vertrauenswürdigem Inhalt," betonte Danko. Penta gehe es rein um künftigen Gewinn.

Medienexperte Eduard Chmelar schenkt diesen Beteuerungen wenig Glauben. "Wenn Finanzgruppen in Medien eintreten, machen sie dies nur mit politischen Absichten und opfern auch gerne einen gewissen Teil ihres Gewinns," erklärte er. Es zahlt sich für sie aus, Medien zu kontrollieren. Dies sei aber ein gefährlicher Trend.

Die Übernahme von Petit Press sei nämlich erst der Anfang von Bemühungen der Penta, ein Medienimperium aufzubauen, folgen dürften große slowakische Fernsehsender. Auch im Nachbarland Tschechien planten Oligarchen einen Eintritt auf den Medienmarkt. "Das ist weder für Medienpluralität noch die Demokratie beider Länder gut," warnte der Experte. (APA, 16.10.2014)

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