Absturz an den Finanzmärkten: Überfälliger Realitätscheck

Kommentar16. Oktober 2014, 17:15
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Die Dichotomie zwischen realer Stagnation und finanziellem Boom ist nicht nachhaltig

An den Finanzmärkten geht es dieser Tage kräftig bergab. Der Ölpreis, Bankenaktien in Europa, US-Unternehmensanteile und Anleihen von Spanien oder Italien geben aufgrund steigenden Verkaufsdrucks nach. Der deutsche Leitindex Dax hat 16 Prozent seines Wertes eingebüßt.

Warum es ausgerechnet jetzt und ausgerechnet so schnell bergab geht? Analysten stochern in einem Haufen an Indizien nach dem Auslöser: Die globale Konjunkturschwäche wird da ebenso ins Feld geführt wie der Bankenstresstest in Europa oder die Angst, dass die US-Zentralbank die Zinsen frühzeitig anheben könnte. Alles richtig.

Doch die jüngste Korrektur hat noch einen anderen, banalen Grund: Mit Rekordjagden haben sich viele Finanzmärkte von der Realwirtschaft losgelöst. Die Aktienmärkte in den USA oder Deutschland eilten nach jedem neuen Höchststand noch weiter, und Unternehmen befeuerten die Entwicklung, indem sie eigene Aktien zurückkauften.

Gleichzeitig lahmt aber die Realwirtschaft merklich, und die Investitionen in die Produktion bleiben zurück. Diese Dichotomie zwischen realer Stagnation und finanziellem Boom ist nicht nachhaltig. Die jüngsten Kursverluste sind Teil einer Ausbalancierung. Börsianer unterziehen ihre eigenen Erwartungen einem überfälligen Realitätscheck. Und der hat auch sein Gutes. Denn der kräftig gefallene Ölpreis ist ein Rückenwind für die Konjunktur. Und der tut angesichts der jüngsten Wachstumsdelle not. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 17.10.2014)

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