Abtreibungen in Kroatiens Spitälern immer schwieriger

16. Oktober 2014, 16:30
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In fünf Krankenhäusern sind Schwangerschaftsabbrüche nicht möglich - Ministerium will durchgreifen

Zagreb - In Kroatien lehnen immer mehr Ärzte in öffentlichen Krankenhäusern ab, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Weil Abtreibungen bereits in fünf Krankenhäusern nicht möglich sind und im für ganz Dalmatien zuständigen Krankenhaus Split nur ein Arzt den Eingriff vornimmt, greift nun das Gesundheitsministerium ein.

"Jedes Krankenhaus muss ein Team haben, das Abtreibungen vornimmt", forderte das Ministerium nach Angaben der Zeitung "Jutarnji list". Man führe derzeit Gespräche mit den Krankenhausdirektoren.

Seit 1978 legal

Schwangerschaftsabbrüche wurden vom damaligen kommunistischen Regime im Jahr 1978 legalisiert. Wegen der einflussreichen Rolle der katholischen Kirche meiden kroatische Politiker das Thema. Daher kann jedes Krankenhaus selbst bestimmen, ob und zu welchen Kosten es Abtreibungen durchführt. Ärzte können den Eingriff unter Berufung auf Gewissensgründe ablehnen.

Auffällig ist auch, dass die Hauptstadt Zagreb in der Abtreibungsstatistik hinter anderen Regionen des Landes liegt. Dies wirft ein Schlaglicht auf illegale Praktiken im Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbrüchen. Laut der Zeitung werden Abtreibungen oft als Spontanabbrüche gemeldet, da die Kosten dafür von der Krankenkasse beglichen werden. Den Frauen werde aber trotzdem der volle Preis für die Abtreibung berechnet, das Geld wandert in die Taschen von Ärzten und Pflegepersonal. In Varazdin sind bereits mehrere Mediziner aufgeflogen. Darüber hinaus werden auch Abtreibungen in Privatpraxen vorgenommen, obwohl dies illegal ist. (APA, 16.10.2014)

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