Wiener Forscher entschlüsseln evolutionären Erfolg der Chlamydien

29. Oktober 2014, 11:08
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Evolutionsmuster der Bakterien ähnelt offenbar dem von Pilzen, Pflanzen und Bakterien

Wien - Chlamydien gehören mit mehr als 100 Millionen infizierten Personen weltweit zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheitserregern. Forscher der Uni Wien haben nun einen möglichen Grund für den evolutionären Erfolg der Bakterien identifiziert, berichten sie im Fachjournal "Molecular Biology and Evolution".

Das Forscherteam um Matthias Horn hat dazu die Genome von vier Chlamydienarten sequenziert. Diese sind zwar nahe mit den für den Menschen relevanten Krankheitserregern verwandt, leben aber als Symbionten innerhalb einzelliger Amöben. Beim Vergleich mit den Genomen der Krankheitserreger konnten sie genomische Regionen identifizieren, die offenbar eine Schlüsselrolle bei der Anpassung an verschiedene Wirtszellen spielen.

Tückische Proteine

"Bei vielen ist die genaue Funktion unbekannt, bemerkenswerterweise besitzen jedoch alle charakteristische Eigenschaften, sogenannte Proteindomänen, die sie von ihren Wirtszellen erworben und für ihre Zwecke umfunktioniert haben", erklärte Horn. Die Forscher konnten experimentell nachweisen, dass diese Proteine in die Wirtszelle eingeschleust werden. Dort verhindern sie die natürlichen Abwehrmechanismen und übernehmen die Kontrolle über die Wirtszelle.

Die Evolution dieser sogenannten Effektor-Proteine, die in ungewöhnlich großer Kopienzahl in den Genomen der Chlamydien vorkommen, ist von einem ständigen Wechsel zwischen der Entstehung neuer und dem Verschwinden vorhandener Gene geprägt. Dabei spielen Mechanismen wie Genduplikationen, Neufunktionalisierung und zufälliger Verlust der Gene eine entscheidende Rolle. Ähnliche Evolutionsmuster seien bisher fast ausschließlich von Pilzen, Pflanzen und Tieren bekannt, nicht aber von Bakterien, so die Wissenschafter.

Horn erhielt 2011 für die Erforschung der Evolution der Chlamydien einen"Starting Grant" des Europäischen Forschungsrats (ERC). (APA/red, derStandard.at, 29.10.2014)

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