Der sich eigene Regeln machte

16. Oktober 2014, 17:45
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Ron Manns Dokumentarfilm erinnert an Robert Altman

"Furchtlos," sagt Michael Murphy. "Seine eigenen Regeln machen", sagt James Caan. "Den Amerikanern zeigen, wer wir sind" (Keith Carradine), "nie aufgeben" (Philip Baker Hall) oder "das Unerwartete erwarten" (Robin Williams). Sie alle antworten auf die Frage, was für sie "Altmanesque" sei. Die Schauspieler, die mit dem 2006 verstorbenen Regisseur Robert Altman zusammengearbeitet haben, umreißen so die besondere Qualität dieses Maverick-Filmemachers, dem wir epochale Filme wie die satirische Vietnam-Paraphrase M.A.S.H., den elegischen Schneewestern McCabe & Mrs. Miller, das vielschichtige Amerikaporträt Nashville und den großen erzählerischen Bogen aus raffiniert ineinandergewobenen Kurzgeschichten Raymond Carvers in Short Cuts verdanken.

Seinen ersten Spielfilm, The Delinquents, inszenierte Altman zwar schon 1957, aber erst nach zehn Jahren, in denen er Episoden für TV-Serien (Alfred Hitchcock presents; Bonanza) drehte, wurde er dank des Erfolgs von M.A.S.H. (Goldene Palme 1970) mit 45 Jahren eine Kinogröße. Hatte Studiochef Jack Warner ihn noch 1967 vom Gelände verbannt, weil er es gewagt hatte, mehrere Schauspieler zur selben Zeit sprechen zu lassen, so wurde der überlappende Dialog schnell eines seiner Markenzeichen. Zwischen realistischen Elementen und Stilisierung fand er eine eigene Filmsprache.

In Altman zeichnet der kanadische Dokumentarist Ron Mann (Comic Book Confidential, Twist) Altmans Karriere chronologisch nach und kann sich dabei auf die Unterstützung von Altmans Familie, besonders seiner Witwe und langjährigen Mitarbeiterin Kathryn Reed Altman verlassen, die ihm zahlreiche Home Movies zur Verfügung gestellt hat.

Der Film fokussiert auf die Schwierigkeiten, die Altman zeit seines Lebens hatte, Geld für seine Filme aufzutreiben, er zeigt seine Jahre im Pariser Exil, als ihm in Hollywood nach einigen Flops keiner mehr Geld geben wollte, und seine triumphale Rückkehr mit The Player (Regiepreis in Cannes 1992, drei Oscar-Nominierungen). Eine besonders schöne Anekdote ist die von der Vorführung von M.A.S.H. für den damals 67-jährigen Studioboss Darryl F. Zanuck: Das ganze Blut müsse raus, meinte der. Doch die beiden Frauen, die ihn aus Europa zurückbegleitet hatten, waren anderer Ansicht: Das sei das Beste am ganzen Film. Also stimmte er einer Preview dieser Fassung zu. Der Rest ist (Film-)Geschichte ...

Die gelungene Einführung in Altmans Leben und Werk weckt Lust, die Filme von Altman (wieder) zu entdecken. Schade, dass die Viennale entgegen sonstiger Tradition dies nicht mit der Programmierung eines Altman-Films beflügelt. (Frank Arnold, DER STANDARD, 17.10.2014)

26. 10., Urania, 20.30

  • Maverick-Filmemacher: Robert Altman bei Dreharbeiten.
    foto: viennale

    Maverick-Filmemacher: Robert Altman bei Dreharbeiten.


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