Zeitarbeit nimmt zu, ihre Akzeptanz nicht

16. Oktober 2014, 15:05
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Eine vorausschauende Planung für Unternehmer werde schwieriger: Arbeitkräfteüberlasser mit einer eher ernüchternden Bilanz für die ersten drei Quartale

Arbeitskräfteüberlasser gelten als wichtige Indikatoren für die Beurteilung der Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage. Über die Entwicklung der ersten drei Quartale des Jahres berichtete die Berufsgruppe der Arbeitskräfteüberlasser in der Wirtschaftskammer Wien. Eine eher ernüchternde Zwischenbilanz.

Gerhard Flenreiss, Fachgruppenobmann der Gewerblichen Dienstleister, beschreibt die Situation so: "Das Jahr 2014 hat schwach begonnen und die bisherige Entwicklung lässt sich als zunehmend herausfordernd beschreiben." Im Herbst ziehe die Auftragslage allerdings wieder leicht an, was zuversichtlicher stimme, so Flenreiss weiter. Dennoch bleibe die Lage schwierig, der Ausblick auf das Jahr 2015 stimme nicht optimistisch.

Die Unsicherheit in der Wirtschaft, so die Wahrnehmung der in Sachen Arbeitskräfteüberlassung befragten Betriebe, nehme generell zu. Vor allem die abnehmende Vorhersagbarkeit kommender Entwicklungen erschwere die mittelfristige Kapazitätsplanung in den Unternehmen erheblich, heißt es weiter.

Wunsch nach mehr Anerkennung

Die einzelnen Branchen entwickeln sich aber unterschiedlich. Flenreiss: "Während erfahrungsgemäß Zeitarbeitskräfte im Sommer vor allem in der Baubranche und bei Infrastrukturprojekten sehr gefragt sind, erwarten wir in nächster Zeit insbesondere aus der Industrie eine größere Zahl an Rücksendungen."

Ein zweites großes Thema ist das noch immer nicht allerbeste Image der Zeitarbeit am Arbeitsmarkt: Zeitarbeit nehme immer weiter zu, die Akzeptanz dieser Arbeitsform wurde aber als "noch immer ausbaufähig" bezeichnet. Das wolle man mit einer neuen Kampagne verändern - immerhin seien 80.000 hochqualifizierte Arbeitskräfte als Zeitarbeiter tätig. Zeitarbeit erfülle zudem als Beschäftigungsform eine "Schuhlöffelfunktion", ermögliche vielen Menschen den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. (red, derStandard.at, 16.10.2014)

Am 19. November lädt die Berufsgruppe zu einer Neuaflage der Zeitarbeits-Enquete. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Herausforderungen das Bevölkerungswachstum von Wien und das Durchbrechen der Zwei-Millionen-Einwohner-Grenze bis 2030 für den Arbeits- und Wirtschaftsstandort Wien bedeuten.

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