Aspirin soll auch positiv auf Cholesterinhaushalt wirken

16. Oktober 2014, 16:49
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Medikament fördert Funktion von "gutem Cholesterin" - positive Wirkung von Omega-6-Fettsäuren nachgewiesen

Aspirin - oder besser gesagt sein Wirkstoff Acetylsalicylsäure - gilt seit langem als kleines Wundermittel. Es wirkt entzündungshemmend und damit gegen Grippe und Schnupfen. Weil es das Blut verdünnt, wird es auch zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen verabreicht. Was bisher jedoch nicht bekannt war: Aspirin soll auch die Funktion vom sogenannten "guten Cholesterin" (HDL) fördern.

Überschüssiges Cholesterin bildet Fettablagerungen in Blutgefäßen. "HDL kann man sich wie Kügelchen vorstellen, die überschüssiges Cholesterin aufnehmen und abtransportieren", sagt Ivan Tancevski von der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin. Er und weitere Wissenschafter der Medizinischen Universität haben ihre neuen Forschungsergebnisse über Aspirin nun in dem Fachmagazin "Cell Metabolism" veröffentlicht.

"Fastfood-Diät"

Mit dem "guten Cholesterin" gelangen die Ablagerungen zuerst in die Leber und von dort über die Galle in den Darm - und werden ausgeschieden. "Seit einigen Jahren keimt in der Medizinwelt die Idee, dass man nicht bloß versuchen könnte, das böse Cholesterin möglichst zu senken, sondern auch, das gute zu fördern", sagt Tancevski. "Völlig neu ist, dass das durch Aspirin funktionieren kann."

Am Menschen ist die Wirksamkeit noch nicht bewiesen. Das Forscherteam arbeitete mit Mäusen, die über einen langen Zeitraum auf eine "Fastfood-Diät", wie Tancevski sie nennt, gesetzt wurden: Sie bekamen extrem fettreiche Nahrung, von der die Labormäuse Fettablagerungen in den Blutgefäßen entwickelten. Danach wurde ihnen im Trinkwasser Aspirin verabreicht. "Das hat diese Fettablagerungen bis zur Hälfte reduziert", sagt Tancevski. Er hält es für wahrscheinlich, dass sich ein Großteil der Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen lässt.

Positive Wirkung von Omega-6-Fettsäuren

Ganz nebenbei konnten die Innsbrucker Forscher auch einen der Gründe für die positive Wirkung von Omega-6-Fettsäuren auf den Cholesterinstoffwechsel aufklären. Erst kürzlich hatte die "American Heart Association" eine ausgewogene Ernährung mit ungesättigten Omega-6-Fettsäuren empfohlen. Warum diese einen Effekt auf den Körper haben, war bisher allerdings nur zum Teil bekannt.

"Wir konnten zeigen, dass ein ausgewogenes Verhältnis von Lipoxinen und Leukotrienen, welche aus Omega-6-Fettsäuren gebildet werden, den Cholesterinstoffwechsel positiv beeinflusst" sagt Tancevski. Synthetisch hergestellte Lipoxine könnten also eingesetzt werden, um das sogenannte "böse Cholesterin" (LDL) zu senken. Omega-6-Fettsäuren kommen in Nüssen, aber auch pflanzlichen Ölen wie beispielsweise Sonnenblumenkern-, oder Distelöl vor. (Katharina Mittelstaedt, derStandard.at, 16.10.2014)

  • "Seit einigen Jahren keimt in der Medizinwelt die Idee, dass man nicht bloß versuchen könnte, das böse Cholesterin möglichst zu senken, sondern auch, das gute zu fördern", sagt Forscher Ivan Tancevski. "Völlig neu ist, dass das durch Aspirin funktionieren kann."
    foto: dpa / wolfgang kluge

    "Seit einigen Jahren keimt in der Medizinwelt die Idee, dass man nicht bloß versuchen könnte, das böse Cholesterin möglichst zu senken, sondern auch, das gute zu fördern", sagt Forscher Ivan Tancevski. "Völlig neu ist, dass das durch Aspirin funktionieren kann."

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