Warum sich Weißfuß-Wieselmakis gerne die "Latrine" teilen

16. Oktober 2014, 14:09
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Forscher untersuchten, welche Rolle der bevorzugte Ort zur Ausscheidung von Exkrementen im sozialen Gefüge der madagassischen Primaten spielt

Göttingen - Dass mehrere Individuen den selben Ort zur Ausscheidung von Exkrementen benutzen, ist kein Alleinstellungsmerkmal des Menschen. Auch im Tierreich ist diese Vorgehensweise weit verbreitet. So etwa bei den auf Madagaskar heimischen Weißfuß-Wieselmakis (Lepilemur leucopus), die die selben Plätze immer wieder aufsuchen. Die Ursachen dafür haben nun Forscher des Leibniz-Instituts für Primatenforschung untersucht.

Dazu erforschten die Wissenschafter, wo genau sich solcherart bevorzugte Plätze befinden und ob sie zu verschiedenen Jahreszeiten oder von Individuen verschiedenen Alters und Geschlechts unterschiedlich genutzt werden. Dafür markierten sie 14 Weißfuß-Wieselmakis mit Radiosendern und beobachteten ihr Verhalten über den Zeitraum eines Jahres.

Allseits beliebte "Latrinenbäume"

Weißfuß-Wieselmakis sind nachtaktive Baumbewohner, die ausschließlich im Süden Madagaskars vorkommen und zur Teilordnung der Lemuren gehören. Jede Familie, bestehend aus den Eltern und ihrem Nachwuchs, bewohnt zwar ein eigenes Gebiet; Allerdings gehen sich die einzelnen Familienmitglieder meist aus dem Weg. Sie schlafen auf unterschiedlichen Bäumen und gehen auch meist einzeln auf Futtersuche.

Etwas hat die Familie aber dennoch gemeinsam, wie die Forscher herausfanden: zentral im Territorium gelegene "Latrinenbäume", die die Tiere gezielt immer wieder aufsuchen um dort ihre Exkremente auszuscheiden. Offenbar dienen diese "Latrinenbäume" dazu, die Vertrautheit und soziale Bindung zwischen den einzelnen Mitgliedern aufrecht zu erhalten. Die Duftsignale werden dabei vor allem über den am Baumstamm befindlichen Urin transportiert, während der am Boden befindliche Kot kein wesentlicher Bestandteil des Informationsaustausches sei, so die Forscher im Fachblatt "Behavioral Ecology and Sociobiology".

Vielfältige Informationen

Es zeigte sich, dass männliche Tiere ihre Duftmarken ausschließlich an den "Latrinenbäumen" hinterlassen und diese öfter aufsuchten, wenn sie einen Eindringling in ihrem Territorium wahrgenommen hatten. "Die Latrinen werden also auch verwendet um anzuzeigen, dass hier jemand ist, der seine Partnerin verteidigt", sagt Iris Dröscher, Erstautorin der Studie.

"Über Duftmarken werden eine Vielzahl an Informationen wie die sexuelle und individuelle Identität transportiert", so Dröscher. Außerdem würden sie dazu dienen, die eigene Präsenz zu signalisieren. "Gerade nachtaktive Arten, die unter eingeschränkten Sichtverhältnissen und im losen Kontakt mit ihren Partnern leben, brauchen verlässliche Informationsquellen, um ihr Sozialgefüge aufrecht zu erhalten. (red, derStandard.at, 16.10.2014)

  • Ein junger Weißfuß-Wieselmaki bei der Verrichtung seines nächtlichen Geschäftes.
    foto: hajarimanitra rambeloarivony

    Ein junger Weißfuß-Wieselmaki bei der Verrichtung seines nächtlichen Geschäftes.

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