Yline: Zeuge verwickelt sich in Widersprüche

16. Oktober 2014, 12:22
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Wenig Neues zur New-Economy-Pleitefirma, Fortsetzung am kommenden Dienstag

Wien - Wenig Erhellendes brachte am Donnerstag der 26. Verhandlungstag im Strafprozess um die Pleite des ehemaligen Internet-Start-ups Yline. Drei Zeugen wurden zu einzelnen Anklagepunkten befragt, eine Zeugin machte von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Der Prozess wird kommenden Dienstag am Straflandesgericht Wien fortgesetzt.

Bei einem der Zeugen handelte es sich um den Vater einer ehemaligen Yline-Mitarbeitern, mit der der Hauptangeklagte Ex-Yline-Chef Werner Böhm auch eine intime Beziehung hatte, aus der ein gemeinsames Kind stammt. Böhm soll der Frau, die ebenfalls auf der Zeugenliste steht, auch nach deren Ausscheiden auf Kosten des Unternehmens und ohne Gegenleistung unter dem Deckmantel von Beraterleistungen missbräuchlich 486.000 Schilling zukommen haben lassen, und ihr damit unter anderem eine Wohnung finanziert haben. Es ist dies einer der vielen zum Straftatbestand der Untreue ausgeführten Anklagepunkte.

Der Vater der Frau verwickelte sich heute teilweise in Widersprüche zu seinen vor Jahren protokollierten Aussagen. "Sie wissen schon, dass sie unter Wahrheitspflicht stehen", erinnert ihn daraufhin die dem Schöffensenat Vorsitzende Richterin Marion Hohenecker.

Vom Dienst freigestellt

Der Zeuge sagte aus, seine Tochter habe - auch nach ihrem Ausscheiden aus der Yline - für diese auf freiberuflicher Basis Beraterdienstleistungen erbracht. Schriftliche Verträge dafür gebe es aber nicht, sondern nur mündliche Vereinbarungen. Über die genau Art der Leistungen wisse er "weniger gut" Bescheid. Es sei aber auch denkbar, dass die Zahlungen von Böhm an seine Tochter - die über die Firma des Vaters durchgeführt wurden - wegen der Wohnung erfolgt seien. Aufzeichnungen über die erbrachten Leistungen könnten da sein, "ich glaube aber eher nicht", so der Zeuge. Er sei wegen dem Naheverhältnis seiner Tochter zu Böhm davon ausgegangen, dass eh alles in Ordnung sei. Pikanterie am Rande: die Frau dürfte laut Anklage damals auf eine Intervention der jetzigen Zweitangeklagten "vom Dienst freigestellt" worden sein.

Der zweite Zeuge, ein ehemaliges Aufsichtsratsmitglied bei Yline, konnte sich nicht mehr an konkrete Businesspläne von Yline erinnern, auch nicht mehr an die konkrete operative Tätigkeit. Yline sei ein "normales" Start-up-Unternehmen mit vielen Baustellen gewesen. In die Buchhaltung habe er keinen Einblick gehabt. Auch von angeklagten ungerechtfertigten Bonifikationen für die damaligen Yline-Vorstände wisse er nichts mehr.

PC-Aktion mit IBM

Die dritte Zeugin, eines der Gründungsmitglieder und nur kurzzeitig in der Yline tätig, meinte unter anderem, sie habe die gemeinsame PC-Aktion mit IBM gut gefunden, wisse aber nicht, ob die dahinterstehende Kalkulation auch aufgegangen sei. Ursprünglich hätte neben eine Internetplattform auch eine Versicherungs- und Reiseplattform aufgebaut werden sollen. Auch ein Börsengang stand schon im Raum.

Die börsennotierte YLine wurde 1998 gegründet. Im Zuge eines großen Computergeschäfts mit IBM ging YLine schließlich 2001 pleite. Die meisten Anleger standen am Ende mit leeren Händen da. Das Ermittlungsverfahren fand in den Jahren danach statt. Fast dreizehn Jahre hat es gedauert, bis die Pleite der Internetfirma vor das Strafgericht kam.

Alleine der durch die Untreuhandlungen bei der YLine verursachte Schaden beläuft sich laut Anklageschrift auf über 26 Mio. Euro. Alle Angeklagten beteuern ihre Unschuld. Der Öffentlichkeit wurde die Firma dadurch bekannt, dass das Tochterunternehmen FirstInEx die mittlerweile legendäre Homepage des damaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser gestaltet hatte. Einer der Anteilseigner von FirstInEx war Grassers Vater. Grasser selbst besaß nach eigenen Angaben 285 YLine-Aktien. (APA, 16.10.2014)

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