Junge Jihadisten: Prävention vor Strafen

Kommentar16. Oktober 2014, 12:10
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Auch Lehrer müssen auf die Radikalisierung Jugendlicher vorbereitet werden

Es ist schnell gegangen bei Oliver N. Erst im Mai wurde der damals noch 15-Jährige angesprochen, einmal in die Moschee mitzukommen. Nicht einmal ein halbes Jahr später ruft er Muslime via Youtube dazu auf, Ungläubige zu töten.

Oliver hatte es nicht leicht zu Hause, seine Mutter macht eine Entziehungskur, aber er stand mitten im Leben: Hatte eine Lehrstelle als Versicherungskaufmann und Freunde. Sie wenden sich an den STANDARD, weil sie sich Sorgen machen.

Die Freunde fühlen sich hilflos, können nicht nachvollziehen, warum sich Oliver den Islamisten anschloss und sich seine Persönlichkeit so stark veränderte. Sie beschreiben ihn als nett, hilfsbereit und schüchtern. Oliver soll noch keine Freundin gehabt haben. Nun ist er angeblich verheiratet und postet auf Facebook stolz das Foto seiner verschleierten Frau.

Auch in der Berufsschule war seine Veränderung aufgefallen. Der Direktor spricht davon, dass Oliver Mitschüler bekehren wollte. Sein Arbeitgeber sah sich vor wenigen Wochen sogar gezwungen, Oliver zu entlassen, weil er sich "auffällig" verhalten hatte.

Die Behörden gehen davon aus, dass aus Österreich bereits bis zu 150 Personen in den Jihad gezogen sind. Nicht jede Geschichte wird jener von Oliver gleichen. Doch gerade bei ihm wird deutlich, dass es Anzeichen gab. Lehrer in der Berufsschule hatten eine Veränderung bemerkt. Natürlich können sie nicht für alles zur Verantwortung gezogen werden. Aber auch die Lehrer müssen auf solche Situationen vorbereitet werden.

Die Politik aber denkt nicht über Prävention nach, sondern über neue Strafrahmen für den Tatbestand der Verhetzung. Justizminister Wolfgang Brandstetter will ihn "klarer formulieren". Konkret soll er künftig schon dann wirksam werden, wenn vor nur zehn Personen gehetzt wird. Bisher waren es mindestens 150.

Sozialarbeiter stärken, Lehrer fortbilden? Darüber werden nur wenige Worte verloren. Dabei wäre es so wichtig, hier möglichst rasch anzusetzen.

Folgenschwere Geschichten wie die von Oliver sollten Einzelfälle bleiben. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 16.10.2014)

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