Ärzte ohne Grenzen fordern mehr Personal im Kampf gegen Ebola

16. Oktober 2014, 11:22
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Geld allein reiche nicht - Schweiz will militärisches Personal entsenden - Angst vor Ansteckung bei Pflegekräften

Freetown/Conakry/Monrovia - Die internationale Gemeinschaft muss dringend mehr Hilfskräfte in die Ebola-Gebiete von Westafrika schicken, fordert Hugues Robert von Ärzte ohne Grenzen Schweiz. Finanzielle Hilfe allein könne die Epidemie nicht besiegen. Die Schweiz hat angekündigt, militärisches Personal zu entsenden.

Viele Staaten hätten ausgebildete Teams für Notfalleinsätze, die beispielsweise bei Naturkatastrophen mobile Spitäler errichteten, sagt Hugues Robert, Verantwortlicher für Notfalleinsätze bei Ärzte ohne Grenzen Schweiz (MSF). Diese Teams würden allerdings nicht in die von Ebola besonders stark betroffenen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone geschickt. "Die Staaten haben Angst, dass sich Mitarbeiter mit Ebola anstecken", meint Robert. Zwar würden viele Länder finanziell helfen, doch das allein nütze nichts. "Die betroffenen Länder brauchen Infrastruktur für die vielen Patienten", sagt er. Nötig seien Helfer an Ort und Stelle: Krankenpfleger, Ambulanzfahrer und Personal, das die Häuser von Kranken desinfiziere.

Regierungen unter Druck setzen

Die Ankündigung der Schweiz, militärisches Personal in die betroffenen Länder zu entsenden, begrüßte Robert. Ein Patentrezept, wie die Regierungen zu mehr Engagement bewegt werden könnten, kenne er nicht. Die Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die mit verschiedenen Staaten bilaterale Gespräche führe, würden sicher helfen. Auch MSF leiste viel Lobby-Arbeit. "Hilfreich wäre zudem, wenn sich die Bevölkerung in Europa im Kampf gegen Ebola einsetzen und die Regierungen unter Druck setzen würde".

Die Angst vor Ebola sei ein großes Problem für die Gesundheitsversorgung in den betroffenen Gebieten, sagte Robert. In Sierra Leone seien viele Pflegestationen in kleinen Dörfern verlassen, weil das Pflegepersonal Angst vor einer Ansteckung mit Ebola habe. In der liberianischen Hauptstadt Monrovia seien in einem großen Spital derzeit nur zwölf von 200 Betten belegt, weil kein Personal da sei. "Viele Kranke sterben, obwohl ihre Krankheit eigentlich heilbar wäre. Wenn sie Ebola-ähnliche Symptome wie Fieber zeigen, will sie niemand sie pflegen." Auch Schwangere seien gefährdet, weil kein Pflegepersonal bei der Geburt helfen wolle.

2.800 lokale Mitarbeiter

Im Kampf gegen Ebola sind für MSF derzeit 294 internationale und etwa 2.800 lokale Mitarbeiter in Sierra Leone, Liberia, Guinea und dem Kongo im Einsatz. MSF hat laut Robert eine Kapazität von 540 Krankenbetten. 4.600 Patienten werden oder wurden auf Stationen der Organisation gepflegt, wobei 1.020 die Krankheit überlebten. MSF konzentriert sich in den betroffenen Gebieten hauptsächlich auf die Ebola-Patienten. Dies umfasse einerseits die Pflege der Erkrankten. Andererseits versuche die Organisation, die Übertragung zu stoppen. Sobald jemand Symptome zeige, werde die Person isoliert und abgeklärt, ob es sich tatsächlich um Ebola handelt. (APA, 16.10.2014)

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