"Hassgruppierung": US-Gamesbranche prangert Gamergate-Bewegung an

16. Oktober 2014, 11:05
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ESA: "In der Videospiel-Community gibt es keinen Platz für persönliche Angriffe und Drohungen"

Die Entertainment Software Association (ESA), der größte Videospielverband der USA und Veranstalter der jährlichen Branchenmesse E3, hat sich in einer Stellungnahme klar gegen Internetaktivisten ausgesprochen, die als Teil der Online-Bewegung Gamergate vornehmlich weibliche Games-Journalisten, -Entwickler und -Blogger bedrohen und zumindest verbal attackieren.

"Die Drohungen und die Belästigungen sind falsch. Sie müssen aufhören", sagte ein ESA-Sprecher der "Washington Post". "In der Videospiel-Community und unserer Gesellschaft gibt es keinen Platz für persönliche Angriffe und Drohungen", hieß es auf eine Anfrage bezüglich der Gamergate-Affäre.

Schulterschluss der Industrievertreter

Die ESA vereint als Handelsgruppe die wichtigsten Videospiel-Unternehmen der USA, darunter Microsoft, Sony, Nintendo, Ubisoft, EA, Activision Blizzard, Square Enix, Capcom, Konami, Namco Bandai und Epic Games.

Es ist der zweite offizielle Schulterschluss der Industrie, um dem sich zunehmend verschärfenden Verhalten rund um Gamergate Einhalt zu gewähren. Erst Anfang September richtete sich ein offener Brief, der mittlerweile von mehreren tausend Entwicklern und Branchenvertretern unterzeichnet wurde, gegen die Drohungen und Angriffe. "Wir glauben, dass jeder, egal welchen Geschlechts, welcher sexuellen Orientierung, welcher Herkunft oder Religion, das Recht hat, Games zu spielen, Games zu kritisieren und Games zu entwickeln, ohne angegriffen oder bedroht zu werden. Es ist die Vielfalt unserer Gemeinde, die es Spielen erlaubt zu gedeihen", hieß es in dem Brief. "Wenn Sie eine hasserfüllte, beleidigende Rede sehen, setzen Sie sich öffentlich dagegen ein und machen Sie die Gaming-Community zu einem besseren Ort."

"Hassgruppierung"

Die Kontroverse um Gamergate sorgt vor allem unter Videospielern für Aufregung. Grund dafür ist, dass sich viele Mitglieder der Bewegung und Befürworter als Stimme gegen Korruption und für Transparenz in der Industrie und in den Medien sehen. Allerdings haben sich bisher vor allem jene Gamergate-Anhänger Gehör verschafft, die persönliche Attacken gegen weibliche Branchenvertreter richten und damit die gesamte Initiative in ein schlechtes Licht rücken – von Vergewaltigungs- bis Morddrohungen.

In einer umfassenden Analyse versuchte erst kürzlich die Seite Jezebel sozialwissenschaftlich aufzuschlüsseln, weshalb Gamergate nicht ein Kreuzzug für die Ethik, sondern eine "Hassgruppierung" geworden ist. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 16.10.2014)

  • "In der Videospiel-Community und unserer Gesellschaft gibt es keinen Platz für persönliche Angriffe und Drohungen", sagt die ESA.
    foto: reuters/jonathan alcorn

    "In der Videospiel-Community und unserer Gesellschaft gibt es keinen Platz für persönliche Angriffe und Drohungen", sagt die ESA.

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