Galaxy Note 4: Tester voll des Lobes für neues Samsung-Phablet

16. Oktober 2014, 10:47
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Gelungene Stifteingabe, tolles Display, langlebiger Akku – Kritik an Touchwiz-Oberfläche

Mit dem Galaxy Note begründete Samsung einst jene Kategorie großer Smartphones, die heute auch als Phablets bezeichnet werden, also eine Mischung aus Tablet und Telefon. Fragte sich das Publikum vor vier Jahren noch, ob es wirklich realistische Nutzungsszenarien für Geräte in diesem Formfaktor gibt, hat der Erfolg dem koreanischen Konzern längst recht gegeben.

Auf den Zug der vor allem in Asien populären Riesensmartphones ist die Konkurrenz daher längst aufgesprungen. Selbst Apple liefert mit dem iPhone 6 Plus nun ein Phone mit 5,5-Zoll-Display. Nach wie vor gilt das Galaxy Note aber als Messlatte in seinem Bereich, entsprechend neugierig haben sich die Tester auf das neue Note 4 gestürzt – und zeigen sich begeistert.

Farbenfroher Bildschirm

Für Videos und Streams ist das Samsung-Device bei Wired nun erste Wahl. Denn besonders Bewegtbild wirkt scharf und lebendig. Unbewegte Aufnahmen können allerdings bisweilen etwas übersaturiert wirken. Insgesamt erhält das 5,7-Zoll-Display mit seinen 2.560 x 1.440 Pixeln (518 PPI) aber eine sehr gute Beurteilung.

Freilich ist ein Gerät in der Größenordnung des Note 4 nicht mehr mit einer Hand bedienbar. Deswegen hat Samsung einen Einhand-Modus programmiert, der den Bildschirminhalt verkleinert und an die rechte untere Ecke anlegt. Dieser Modus funktioniert zwar etwas besser als jener des iPhone 6 Plus, in dem die laufende App nur in der Vertikale zusammengezogen wird, bleibt aber trotzdem nicht mehr als ein etwas umständlicher Behelf.

Nützlicher Stift

Zu den Alleinstellungsmerkmalen der Note-Reihe gehört seit je her auch ein Digitizer, der Stifteingabe in Verbindung mit dem "S-Pen" ermöglicht. Letzerer ist clever im Gehäuse untergebracht und fällt daher auf den ersten Blick gar nicht auf. Hält man den Stift über das Display, erhält man ein Aktionsmenü, über das schnell optimierte Funktionen aufrufbar sind. Darunter ein kleiner Notizblock, dessen Inhalt an andere Apps geschickt werden kann.

Daneben kann S-Pen zum Zeichnen, Skizzieren oder einfach für fingerabdruckfreie Bedienung des Smartphones genutzt werden. Die Abtastung der Druckstufen funktioniert dabei akkurat. Praktisch ist auch ein jederzeit beschreibbares, "Post-It"-artiges Widget für den Homescreen.

Starke Kamera, viele Aufnahmemodi

Das Note 4 glänzt auch mit seinen beiden Kameras, die selbst unter widrigeren Lichtbedingungen mit gelungenen Fotos aufwarten. Insbesondere das rückseitige Aufnahmemodul glänzt, da es optische Bildstabilisierung mitbringt.

Die Kamera-App wartet mit unzähligen Aufnahmemodi auf. Alleine fünf bieten Möglichkeiten zur Aufnahme eines Selfies, daneben gibt es auch verschiedene Videofeatures wie 4K oder Zeitlupenaufnahme. Trotzdem ist die Software angenehm simpel gehalten, so The Verge.

Gute Ideen und...

Ein zweischneidiges Schwert stellt die System-Software dar. Samsung liefert Android 4.4 mit seiner eigenen Touchwiz-Oberfläche. In puncto mitgelieferter, eigener Apps hat man das Portfolio reduziert und zahlreiche selten genutzte Funktionen wie die Funktion zum Scrollen mit Neigung des Smartphones in den Hintergrund gerückt. Dazu kommen sinnvolle und brauchbar umgesetzte Features wie der Multi-Window-Modus, der die Ausführung von zwei Apps in skalierbaren Fenstern erlaubt.

Dabei wurde sogar eine rudimentäre Drag-and-Drop-Funktion umgesetzt, mit der etwa Bilder aus der Galerie in den Messenger gezogen werden können, wie CNet beschreibt. Das funktioniert allerdings nur mit bestimmten Apps, Facebook und Gmail bleiben etwa außen vor.

...alte Gewohnheiten

Doch so ganz konnte sich Samsung die Mitlieferung von Bloatware und die Zwanghaftigkeit, jeder Komponente des Betriebssystems eigene Ergänzungen hinzuzufügen, nicht ersparen. Weswegen die Tester mehr oder weniger direkte Hinweise fallen lassen, dass ein Stock Android-System mit optionalen Samsung-Features wohl mehr Freude machen würde. Nicht zum ersten Mal, trotz leichter Fortschritte.

Von mäßigem Nutzen sind auch der integrierte Fingerabdrucksensor und der Messer für Puls und Blutsauerstoff. Ersterer erweist sich als störrisch beim Wiedererkennen des Fingers, Zweiterer verweigert ebenfalls öfter korrekte Arbeit. Hier bleibt abzuwarten, ob Samsung softwareseitig nachbessern kann.

Gut verarbeitet und flott

Keine Beschwerden gibt es hinsichtlich Verarbeitung und Performance. Das Gerät kommt mit Metallrahmen und Kunststoffrückseite und borgt sich dabei so manches Element des jüngst erschienenen Galaxy Alpha.

Unter der Haube werkt je nach Markt entweder Qualcomms Snapdragon 805 mit einer auf 1,9 GHz getakteten Quadcore-CPU oder Samsungs eigener Exynos 5433, der einen Achtkernprozessor mit 1,9 Ghz-Takt mitbringt. Üppige drei GB RAM stehen zur Verfügung, der interne Speicher fasst 32 GB und kann per microSD-Karte erweitert werden. Dieser befindet sich, ebenso wieder SIM-Einschub und der wechselbare Akku, hinter der abnehmbaren Rückseite.

Langlebiger Akku

3.220 mAh liefert der Akku nominell. Trotz der enorm hohen Bildschirmauflösung erweist er sich als sehr langlebig. Bei normaler Nutzung kommt man locker über den Tag und darüber hinaus. Nähert sich der Ladestand dem Tiefpunkt an, kann zusätzlich ein Energiesparmodus aktiviert werden, in dem das Telefon ausschließlich Grundfunktionen anbietet.

Von Vorteil ist die Implementierung von Fast Charging. Nutzt man das mitgelieferte Ladegerät, ist der Akku in 30 Minuten zur Hälfte und in unter zwei Stunden vollständig aufgeladen. Mit anderen Ladegeräten kooperiert das Gerät zwar auch, braucht aber deutlich mehr Zeit.

Fazit

Für Samsung stellt das Note 4 einen weiteren, wenn auch noch nicht ausreichenden, Schritt heraus aus den Zeiten überfrachteter Oberflächen und Unmengen unnützer Zusatzfunktionen dar. Insgesamt ist es laut den Testern ein gelungenes Phablet für alle Nutzer, die gerne etwas mehr Platz am Display haben. Insbesondere dann, wenn sie für den integrierten Stift regelmäßig praktische Verwendung haben und den Vorgänger, das Note 3, noch nicht ihr eigen nennen.

In Österreich werden alle drei großen Mobilfunker (T-Mobile, "3", A1) das Galaxy Note 4 führen und voraussichtlich ab 24. Oktober ausliefern. Die SIM-Lock-freie Ausgabe wird im freien Handel ab rund 700 Euro zu haben sein. (gpi, derStandard.at, 16.10.2014)

  • Groß und gelungen: Die ersten Tester äußern sich sehr positiv zum Galaxy Note 4.
    foto: reuters

    Groß und gelungen: Die ersten Tester äußern sich sehr positiv zum Galaxy Note 4.

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