Nexus 6: Google beendet Ära der Schnäppchenpreise

16. Oktober 2014, 11:01
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Empfindlich teurer als Nexus 5 - Preisdruck auf Google-Partner wird reduziert, zum Leidwesen der Konsumenten

Am Mittwoch hat Google mit dem Nexus 6 sein neuestes Smartphone vorgestellt. Ein Detail sorgte bei fast allen Beobachtern gleichermaßen für Verblüffung: Der Preis ist empfindlich höher als jener des direkten Vorgängers. 649 US-Dollar soll das Smartphone kosten. Zum Vergleich: Den Vorgänger Nexus 5 gab es vom Start weg ab 349 US-Dollar.

Offizielle Argumentation

Es ist ein Preis, der auf dem Niveau anderer aktueller High-End-Geräte liegt und doch einen signifikanten Sprung gegenüber früheren Nexus-Generationen darstellt. Gegenüber Recode erklärt Google-Vizepräsident Hiroshi Lockheimer diesen Umstand folgendermaßen: Mit dem Nexus 6 wolle man ein wahres Premium-Smartphone ohne Kompromisse liefern. Etwas, das Android-Fans immer wieder lautstark von Google gefordert hätten. Doch auch wenn das sicher eine gewisse Rolle bei der Preisgestaltung des Nexus 6 gespielt hat – den massiven Anstieg erklärt es nicht. Dafür ist die typische Spannbreite bei den reinen Hardwarekosten eines Smartphones einfach nicht groß genug.

Ursachensuche

Wesentlich mehr Sinn ergibt da schon ein anderer Erklärungsansatz: Die neue Preispolitik könnte schlicht dem Verhältnis zu anderen Unternehmen in der Android-Welt geschuldet sein. Da in Googles Geschäftsmodell der Hardwareverkauf keine relevante Rolle spielt, hatte man bisherige Geräte immer mit äußerst geringen Margen verkauft. Das können sich die klassischen Hersteller wie Samsung und LG natürlich nicht leisten, sind sie doch ganz von den Smartphone-Verkäufen abhängig. Solange die Nexus-Reihe nur eine kleine Nische bediente, war das den Herstellern egal. Zuletzt hatten sich die Google-Geräte aber immer größerer Beliebtheit erfreut. So zählen das Nexus 4 und das Nexus 5 laut dem "Android Fragmentation Report" von Open Signal zu den – nach der ungebrochenen Samsung-Dominanz – beliebtesten Einzelgeräten in der Android-Welt. Und das praktisch ohne Bewerbung oder Deals mit Mobilfunkbetreibern.

Normalisierung

Mit dem Nexus 6 beendet Google nun den Preisdruck auf die eigenen Partner. Eine Art Normalisierung, die dem Frieden im oft recht komplizierten Beziehungsgeflecht der Android-Welt durchaus zuträglich sein dürfte. Auf der Strecke bleiben bei alldem die Konsumenten, die nun eine Option weniger für ein Gerät mit herausragendem Preis-Leistungs-Verhältnis haben. Die aktuellen Änderungen haben aber nicht ausschließlich negative Auswirkungen: So soll das Nexus 6 deutlich breiter verkauft werden als seine Vorgänger. Neben zahlreichen Händlern nehmen in den USA erstmals auch sämtliche Mobilfunkanbieter ein Nexus-Smartphone ins Portfolio auf. Während die allermeisten Nexus 4 und 5 "frei" verkauft wurden, dürften viele das Nexus 6 also mit klassischer Vertragsbindung erwerben – und damit nach dem üblichen Subventionierungsschema.

Android Silver

Nicht zuletzt zeichnen sich hinter alldem die Spuren von Android Silver ab. Zur Erinnerung: Mit diesem Premiumprogramm wollte Google eigentlich die Nexus-Reihe beerben. Eine breite Palette an Smartphones unterschiedlicher Hersteller sollte es werden, allesamt mit unmodifiziertem Android ausgestattet – ganz nach Googles Fasson. Dem Erfolg einer solchen Kampagne wäre ein Nexus zu Dumpingpreisen natürlich im Wege gestanden, verfolgt dieses doch das gleiche Softwarekonzept. Wer will, kann im Nexus 6 also wahlweise eine Spätfolge oder einen Vorboten von Android Silver erkennen. Je nachdem, ob das Interesse der Hardwarehersteller an diesem Konzept doch noch anspringt. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 16.10.2014)

  • Das Nexus 6: empfindlich teurer als seine Vorgänger.
    foto: google

    Das Nexus 6: empfindlich teurer als seine Vorgänger.

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