Mieten und Käse halten Inflation hoch

16. Oktober 2014, 10:28
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Bekleidung wird billiger, Sprit auch, dafür verteuert sich der tägliche Einkauf im September um 2,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr

Wien - Die Inflationsrate ist im September gegenüber dem Vorjahr von 1,7 auf 1,6 Prozent gesunken. Österreich hat damit die vierthöchste Teuerungsrate in der EU (nach Italien, Griechenland und Spanien). Laut Eurostat belief sich die Teuerung EU-weit auf 0,3 Prozent, das ist der niedrigste Stand seit Oktober 2009.

Hierzulande war für den leichten Rückgang im Jahresvergleich günstigere Bekleidung hauptverantwortlich. Preistreiber blieben Wohnen, Wasser und Energie. Die Wohnungsmieten waren gegenüber dem September 2013 um 4,5 Prozent höher, gab die Statistik Austria am Donnerstag bekannt. Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer sieht das auch als österreich-spezifisches Problem: "Angebot und Nachfrage passen nicht ganz zusammen." Auch die seit März wirksamen Gebührenerhöhungen schlagen laut Bruckbauer hierzulande noch zu Buche.

Teurer Käse

Die Preise für Nahrungsmittel haben sich um 2,4 Prozent erhöht. Verantwortlich dafür war insbesondere eine Verteuerung bei Fleisch um im Schnitt 2,4 Prozent. Auch Milch, Käse und Eier wurden im Jahresabstand um 5,3 Prozent teuer, Brot um 1,9 Prozent. Gemüse verteuerte sich um 2 Prozent, Obst wurde dagegen etwas billiger (-0,7 Prozent).

Insgesamt stiegen die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke um 2,2 Prozent. Der Mikrowarenkorb, der überwiegend Nahrungsmittel enthält und den täglichen Einkauf repräsentiert, stieg im Jahresabstand um 2,0 Prozent. Das Preisniveau des Miniwarenkorbes, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthält, erhöhte sich im Zwölfmonatsvergleich um 0,8 Prozent. Den Grund für den berühmten Österreich-Aufschlag sieht Bruckbauer weniger in einem oft monierten mangelnden Wettbewerb, sondern vor allem darin, dass die Österreicher "eher qualitätsbewusst als preisbewusst" einkaufen.

Preisstabile Energie

Die Instandhaltung von Wohnungen kostete durchschnittlich um 1,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Haushaltsenergie blieb hingegen mit insgesamt +0,1 Prozent fast preisstabil.

Die Preise in der Ausgabengruppe "Verkehr" erhöhten sich durchschnittlich um 0,6 Prozent. Die seit März geltende Erhöhung der motorbezogenen Versicherungssteuer wirkte weiterhin preistreibend, so die Statistik. Instandhaltung und Reparaturen privater Verkehrsmittel verteuerten sich um 3,2 Prozent. Treibstoffe verbilligten sich hingegen im Jahresvergleich um 3,8 Prozent. Flugtickets kosteten um 3,7 Prozent weniger.

Billigere Bekleidung und Schuhe

Bekleidung und Schuhe verbilligten sich um durchschnittlich 2,4 Prozent und erwiesen sich damit im Jahresabstand als Hauptpreisdämpfer. Im Monatsvergleich war diese Ausgabengruppe hingegen der Hauptpreistreiber. Grund waren das Ende der Abverkäufe und das Eintreffen der Herbst- bzw. Winterkollektion. Insgesamt verteuerten sich Bekleidungsartikel durch diese Effekte gegenüber August 2014 um 20,3 Prozent und Schuhe um 9,7 Prozent.

Laut harmonisiertem Verbraucherpreisindex (HVPI) lag die Teuerung im September bei 1,4 Prozent (August: 1,5 Prozent). Der Unterschied zum Verbraucherpreisindex (VPI) von 0,2 Prozentpunkten resultiert aus Gewichtungsunterschieden zwischen VPI und HVPI. Die Teuerung für Pensionistenhaushalte (PIPH) betrug im September 1,7 Prozent, nach 1,8 Prozent im August. Die Differenz zum VPI von +0,1 Prozentpunkten sei vor allem von Teuerungen in der Ausgabengruppe "Gesundheitspflege" verursacht, da diese im PIPH höhere Gewichtsanteile hat. (APA, red, 16.10.2014)

  • Ein Graffiti an der Wand einer Wohnhausanlage, aufgenommen in Wien.
    foto: apa/helmut fohringer

    Ein Graffiti an der Wand einer Wohnhausanlage, aufgenommen in Wien.

  • Artikelbild
    grafik: apa
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