Kurden: IS zieht sich aus Teilen Kobanês zurück

16. Oktober 2014, 22:19
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Mehrere hundert Kämpfer sollen bei Luftschlägen getötet worden sein, aber auch sechs Kurden. Die USA sehen Grenzstadt nach wie vor bedroht

Kobanê - Ein Kurdenvertreter hat einen Teilrückzug der Terrormiliz "Islamischen Staat" (IS) aus der nordsyrischen Stadt Kobanê bestätigt. Die US-geführte internationale Koalition habe die Jihadisten in den vergangenen Tagen effektiver bekämpft, sagte Idriss Nassen am Donnerstag per Telefon aus der belagerten Stadt der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben des US-Militärs habe es am Mittwoch und Donnerstag 14 Luftangriffe auf die Umgebung um Kobanê gegeben.

Die IS kontrolliere nur noch "weniger als 20 Prozent" der Stadt direkt an der türkischen Grenze, so Nassen, die kurdischen Kämpfer würden die Jihadisten aus den östlichen und südöstlichen Stadtteilen "fortspülen". Zugleich forderte er mehr Militärhilfe von der Staatengemeinschaft. "Wir brauchen mehr Luftangriffe, aber auch mehr Waffen und Munition, um sie auf dem Boden bekämpfen zu können." Der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge sei noch rund ein Drittel der Stadt unter IS-Kontrolle.

Nach US-Angaben wurden bei den Luftangriffen in und um Kobanê mehrere hundert IS-Kämpfer getötet. Dennoch bestehe weiterhin die Gefahr, dass die Stadt gänzlich in die Hand der Extremisten falle, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Mittwoch.

Kurden bei Luftangriff getötet

Allerdings wurden bei einem von den USA angeführten Luftschlag auf IS-Stellungen in Kobanê laut Medienangaben versehentlich Kurden getötet. Mindestens sechs Kämpfer der Volksschutzeinheiten (YPG) seien dabei ums Leben gekommen, meldete die irakisch-kurdische Nachrichtenseite Rudaw am Donnerstag.

Das Pentagon bestätigte die Berichte über getötete Kurden zunächst nicht. "Wir haben keine Hinweise, dass kurdische Kämpfer in einem Luftangriff des Bündnisses getötet wurden", sagte ein Sprecher des Zentralkommandos in Tampa (Florida). Die Berichte würden aber sehr ernst genommen und gründlich geprüft.

Kobanê ist seit Wochen umkämpft und wurde zu einem Symbol im Kampf gegen die IS. Für die drei Millionen Kurden im Norden Syriens ist die Stadt der zentrale Ort der von ihnen dominierten Gebiete.

Direkte Gespräche zwischen USA und PYD

Die USA haben unterdessen erstmals direkte Gespräche mit der größten syrischen Kurdenpartei, der Partei der Demokratischen Union (PYD), geführt. US-Außenamtssprecherin Jen Psaki sagte am Donnerstag, ein Vertreter des State Department habe sich am vergangenen Wochenende "außerhalb der Region" mit PYD-Vertretern getroffen. Bisher hatte es lediglich indirekte Gespräche über Mittelsleute gegeben.

Die PYD unterhält enge Kontakte zu der in der Türkei aktiven Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die Washington, Ankara und die EU als "Terrororganisation" einstufen. Der bewaffnete Arm der PYD, die YPG, spielt eine entscheidende Rolle bei der Verteidigung Kobanês. Auf die Frage, ob bei den Gesprächen die dringenden Forderungen der PYD nach Waffenlieferungen erörtert wurden, sagte Psaki: "Ich denke nicht, dass wir an diesem Punkt sind."

Syrien "unter allen Umständen" gegen Pufferzone

Die syrische Regierung drohte unterdessen mit Gegenmaßnahmen, sollte das Anti-IS-Bündnis im Norden des Landes eine von der Türkei geforderte Pufferzone einrichten, in der auch ein Flugverbot gilt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur SANA unter Berufung auf das Außenministerium berichtete, lehnt Syrien ein solches Vorhaben auf seinem Territorium unter allen Umständen ab.

Syrien werde sich nach Beratungen mit seinen Partnern Maßnahmen zum Schutz seiner Souveränität vorbehalten, sollte es tatsächlich dazu kommen. Die Türkei hatte im Kampf gegen die IS eine solche Pufferzone vorgeschlagen, Frankreich unterstützte das, die USA sind skeptisch. Syriens Verbündete sind in erster Linie Russland und der Iran. (APA, 16.10.2014)

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