Iran bleibt Antworten schuldig

15. Oktober 2014, 19:41
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Spekulationen über Sabotage in Militäranlage Parchin

Teheran/Wien - Ein Pferdefuß bei den Atomverhandlungen, auch wenn der Iran das nicht so sehen will, sind die sogenannten PMDs (Possible Military Dimensions, Informationen, die auf militärische Aspekte des iranischen Atomprogramms hinweisen). Der Iran ist bei diesen Fragen säumig: Laut einer Vereinbarung mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sollte Teheran bis zum 25. August Erklärungen zu zwei verdächtigen Aktivitäten (betreffend hochexplosive Sprengstoffe und Neutronentransport) liefern. Aber auch ein Besuch eines IAEA-Teams in Teheran vor einer Woche brachte keine signifikanten Fortschritte und nicht einmal einen neuen Termin für Diskussionen darüber.

354 Mitglieder des US-Kongresses haben nun an Außenminister John Kerry einen Brief geschrieben, dass es ohne Klärung dieser Fragen auch keinen Abschluss eines Atomdeals geben dürfe. Aber selbst wenn der Iran sofort alle Fragen beantworten würde, wäre es unrealistisch, dass die IAEA bis Ende November mit ihren Verifikationen fertig ist.

Eine spektakuläre Explosion in der Militärbasis Parchin bei Teheran vor zehn Tagen hat nun Spekulationen ausgelöst, ob nicht wieder einmal die Gegner eines nuklearen Iranzugeschlagen haben. Parchin ist die Anlage, die die IAEA im Zusammenhang mit den PMDs gerne inspizieren würde (wobei sie unter ihrem Safeguards-Abkommen mit dem Iran kein automatisches Recht dazu hat). Allerdings, so schreibt die New York Times, ereignete sich die Explosion, die mehrere Gebäude zerstörte, in einem anderen Teil der Anlage als jenem, den die IAEA besuchen will. Ein Unfall ist keineswegs ausgeschlossen.

Cyber-Attacken

Angriffe - inklusive Ermordung von Wissenschaftern - wären jedoch nichts Neues. Es wird davon ausgegangen, dass Israel und die USA ein gemeinsames Cyber-Attack-Programm fahren, durch das vor ein paar Jahren hunderte Zentrifugen zerstört wurden. Die USA sollen auch in die Lieferung von defektem Material fürs Atomprogramm involviert sein. Außenminister Mohammed Javad Zarif beschuldigte im Sommer "ausländische Mächte" solcher Aktionen beim Reaktorbau in Arak.

US-Offizielle schweigen dazu, distanzieren sich jedoch entschieden von der Ermordung von Wissenschaftern, bei denen immer wieder mit dem Finger auf Israel gezeigt wird. Auch mit einer verheerenden Explosion in einer Raketentestanlage 2011, bei der unter anderem ein hoher General getötet wurde, will Washington nichts zu tun haben. (guha)

(guha, DER STANDARD, 16.10.2014)

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