Mit dem Präsidenten in der VIP-Loge

15. Oktober 2014, 17:50
17 Postings

Belgrad feiert sich mit Putin selbst

Belgrad gedenkt heute, Donnerstag, mit einer Militärparade des siebzigsten Jahrestags seiner Befreiung. Man wolle unter anderem an die zuletzt stark vernachlässigte antifaschistische Tradition Serbiens erinnern, hieß es von offizieller Seite.

Die Feier kommt ein paar Tage zu früh: Belgrad wurde von den Truppen der Roten Armee nicht am 16., sondern am 20. Oktober befreit. Doch die Parade wurde aus einem für Serbien gewichtigen Grund vorverlegt: Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich auf dem Weg zum europäisch-asiatischen Gipfeltreffen (Asem) in Mailand bei seinen "serbischen Freunden" für einige Stunden angekündigt.

Die Opposition spricht von einer "Militärparade zu Ehren von Putin". Zwar sei der russi-sche Präsident ein gerngesehener Gast, doch blamiere sich das Land wegen der "politischen Anpassung" historischer Daten - eine solche Unterwürfigkeit sei auch gegenüber Russland fehl am Platz.

USA not amused

In Brüssel und in Washington ist man gar nicht erfreut über den Besuch. Im Jänner haben die Beitrittsverhandlungen zwischen Serbien und der EU begonnen. Der EU-Botschafter in Belgrad, Michael Davenport, erklärte auch mit Blick auf die Ukraine, die EU erwarte von einem Beitrittskandidaten, sich den "außenpolitischen Initiativen und Aktionen der EU anzupassen". Auch die USA äußerten sich kritisch. Die "neutrale" Position Belgrads im Ukraine-Konflikt lautet, dass Serbien zwar die territoriale Integrität der Ukraine anerkenne, sich aber nicht den Sanktionen gegen Russland anschließen werde.

Der serbische Premier Aleksandar Vucic wies alle Kritik zurück. Die Militärparade sei eine Präsentation des serbischen Heeres und des Staates und solle zeigen, dass die Armee ein starker Stabilitätsfaktor sei. Die guten Beziehungen zu Russland seien im "staatlichen, nationalen und wirtschaftlichen" Interesse Serbiens.

Mit Wladimir Putin in der VIP-Loge während der Militärparade will der frühere Ultranationalist Vucic innenpolitisch zeigen, dass er doch nicht "zu westlich gesinnt" ist. Putin nimmt die Gelegenheit wahr, sich in einem europäischen Land unmittelbar vor den schwierigen Gesprächen in Mailand bejubeln zu lassen. Die russische Kunstflugstaffel Strischi wird mit fünf MIG-29 an der aufwändigen Militärparade in Belgrad teilnehmen. (Andrej Ivanji aus Belgrad, DER STANDARD, 16.10.2014)

  • Artikelbild
Share if you care.