Erdgas hilft dem Klima nicht

15. Oktober 2014, 18:59
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Obwohl der CO2-Ausstoß geringer ist als bei Kohle oder Öl, sehen Forscher langfristig keine positiven Effekte einer steigenden Erdgasnutzung

Laxenburg/Wien - Die Verbrennung fossiler Energieträger ist für mehr als 90 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Bei den jeweiligen Energieträgern gibt es diesbezüglich jedoch große Unterschiede: So wird bei der Energiegewinnung durch Erdgas etwa nur halb so viel Kohlendioxid freigesetzt wie bei jener durch Kohle.

Daher gingen viele Forscher bisher davon aus, dass eine verstärkte Erschließung und Nutzung großer Erdgasvorkommen positive Effekte auf die CO2-Bilanz haben müsste. Tatsächlich führte der Erdgas-Boom der vergangenen Jahre in den USA zur Schließung vieler alter Kohlekraftwerke und damit nachweislich zu einer Senkung der Emissionen.

Ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung warnt nun im Fachblatt "Nature" vor einem Trugschluss: Die zunehmend günstigere Ausbeutung von Erdgasquellen durch neue Technologien wie Fracking würde auf längere Sicht eben nicht zu einer Senkung der CO2-Emissionen führen. Vielmehr würde eine steigende Verfügbarkeit billigen Erdgases den Energiekonsum ankurbeln und gleichzeitig erneuerbare Energiequellen unattraktiver machen.

Fünf Modelle, ein Ergebnis

Wissenschafter von fünf Forschungsinstitutionen aus den USA, Australien, Deutschland, Italien und Österreich (Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse IIASA in Laxenburg) simulierten in jeweils unterschiedlichen Modellberechnungen die langfristigen Auswirkungen einer global steigenden Erdgasnutzung. Dabei verglichen sie unterschiedliche Szenarien bezüglich Verfügbarkeit und Preisentwicklung des fossilen Energieträgers.

Das einhellige Ergebnis: Positive Effekte auf den Ausstoß von Treibhausgasen seien in keinem Fall zu erwarten. In vier der fünf Modelle stiegen die CO2-Emissionen unabhängig vom Ausmaß der Erdgasproduktion weiter an.

Im fünften Modell zeigte sich zwar ein leichter Rückgang; da mit einer zunehmenden Erdgasproduktion aber wiederum ein Anstieg an Methanemissionen zu erwarten sei, fiel auch diese Bilanz negativ aus. Das Fazit: Der Einsatz neuer Technologien könnte die Erdgasproduktion bis 2050 verdoppeln bis verdreifachen, ein positiver Effekt auf das Klima würde aber ohne politische Maßnahmen gänzlich ausbleiben. (dare, DER STANDARD, 16.10.2014)

  • In den USA hat Erdgas vielerorts Kohle ersetzt. Für das Klima ist das langfristig aber kaum ein Vorteil. Im Bild: Erdgaskraftwerk in Hermiston, Oregon.

    In den USA hat Erdgas vielerorts Kohle ersetzt. Für das Klima ist das langfristig aber kaum ein Vorteil. Im Bild: Erdgaskraftwerk in Hermiston, Oregon.

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