Aufregung um Einbrüche in Kabinen im Wiener Arbeiterstrandbad

15. Oktober 2014, 17:26
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Das Arbeiterstrandbad wird 2015 von der Stadt in eine öffentliche Liegewiese umgewandelt. Den Kabinenpächtern wurde eine Räumungsfrist bis 31. Oktober gesetzt, dennoch ließ man bereits Arbeiten durchführen. Davor wurde in Kabinen eingebrochen

Wien – Das 1912 gegründete Arbeiterstrandbad wird nach Plänen der Stadt Wien schon ab der kommenden Badesaison zu einer öffentlich zugänglichen Liegewiese umgestaltet. Im August wurde den Pächtern der Kabinengebäude überraschend mitgeteilt, das Areal zu räumen. Die Frist setzte Johann Klepp, der bisher Subpächter des Arbeiterstrandbades war und Geschäftsführer der angrenzenden Club Danube Freizeitanlagen ist, mit Ende Oktober an. Ein diesbezüglicher Brief liegt dem STANDARD vor.

"Dennoch sind Unbefugte in der vergangenen Woche in mindestens vier Kabinen eingebrochen", sagt Renate Steinmann, eine der Pächterinnen. Bei der Polizei wurden bisher zwei Anzeigen gegen unbekannt erstattet. Laut Steinmann wurde in den Kabinen allerdings nichts gestohlen. Was den Verdacht nährt, dass hinter den aufgebrochenen Türen ein anderes Interesse als Diebstahl stecken muss.

Anzeige gegen unbekannt

Eine Anzeige reichte Pächterin Inge Cekan ein. "Wir haben nach dem Einbruch unsere Habseligkeiten in der Kabine einer befreundeten Pächterin verstaut", sagte sie. Den kaputten Eingang sicherte sie notdürftig mit einem Draht ab, auf die Tür hängte sie einen Zettel, wonach die Kabine für Unbefugte nicht zu betreten sei.

"Uns wurde ja eine Räumungsfrist bis Ende Oktober gesetzt, den Schlüssel habe ich noch. Aber als wir das nächste Mal zur Kabine kamen, muss wieder jemand drin gewesen sein. Es sind von Arbeitern Bohrungen am Boden mitten in der Kabine durchgeführt worden."

Steinmann sagte, dass auch andere Kabinenpächter Bohrungen entdeckt hätten. Der bisherige Subpächter des Areals, Johann Klepp, bestätigt im Gespräch mit dem STANDARD, dass die MA 45 (Wiener Gewässer) Bohrungen durchführen ließ, um die auf dem Areal stehenden Kabinen bald abreißen zu können. "Man muss ja vor dem Abriss der Gebäude die Betondicke feststellen."

"Großzügigkeit ausgenützt"

Dass in noch nicht geräumten Kabinen eingebrochen und Bohrungen durchgeführt wurden, schließt Klepp aber aus. "Dafür garantiere ich." Er bereue es, die Räumungsfrist mit Ende Oktober angesetzt zu haben. "Diese Großzügigkeit meinerseits wird von Personen, die gegen die Öffnung des Bades sind, bis zum letzten Tag ausgenützt." Das sei auch das Recht der bisherigen Pächter, sagt Steinmann, die bei ihrer Darstellung von widerrechtlichem Eindringen und illegalen Bohrungen in Kabinen bleibt.

Vonseiten der Stadt wird bestätigt, dass das Arbeiterstrandbad ab der kommenden Saison öffentlich zugänglich ist. Club Danube bleibt wie bisher eine Strandfläche mit privatem Zugang erhalten. (David Krutzler, DER STANDARD, 16.10.2014)

  • In mindestens vier Kabinen ist eingebrochen, aber nichts gestohlen worden. Die MA 45 ließ in Kabinen Probebohrungen durchführen, um die Betondicke für den Abriss zu messen. Dabei müssen die Kabinen erst bis Ende Oktober geräumt sein.
    foto: heribert corn

    In mindestens vier Kabinen ist eingebrochen, aber nichts gestohlen worden. Die MA 45 ließ in Kabinen Probebohrungen durchführen, um die Betondicke für den Abriss zu messen. Dabei müssen die Kabinen erst bis Ende Oktober geräumt sein.

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