5/8erl in Ehr'n: Mit dem Victory-Zeichen den Finger zeigen

15. Oktober 2014, 17:00
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Wem eine Wortschöpfung wie "Bruck an D'amour" einfällt, dem nimmt man sogar Wiener Soul ab. Die Band 5/8erl in Ehr'n ist das und mehr. Gerade hat sie das Album "Yes We Does" veröffentlicht

Wien - Kultur in Bruck an der Mur. Das reimt sich zwar, findet aber im richtigen Leben selten zusammen. Dabei gibt es am Schlossberg der steirischen Bezirkshauptstadt eine engagierte Initiative und ein Veranstaltungszelt für die Ausnahmen von der Regel. Mit einem Konzert der Wiener Formation 5/8erl in Ehr'n gelang es im vergangenen Sommer erstmals, dieses offene Zelt bis über die Ränder zu füllen. Das ist nicht nichts.

Gut, als der eine Sänger, Max Gaier, sich scherzhaft bei der Stadt Bruck an der Leitha für die Einladung bedankte, verzog es ein paar Anwesenden die Mundwinkel in Richtung Grazer Becken, aber natürlich war das Konzert ein voller Erfolg. Vor allem für Bruck an der Mur, das der andere Sänger, Bobby Slivovsky, in einer Ansage als "Bruck an D'amour" umschmeichelte. Noch so eine Rarität des richtigen Lebens.

Drei Monate später eröffnet derselbe Slivovsky im Gespräch über das neue Album Yes We Does, dass das damals mit Bruck an der Leitha gar kein Scherz war: "So etwas passiert uns öfter."

5/8erl in Ehr'n sind eine Musikerin und vier Musiker auf Mission. Auf welcher, ist nicht restlos geklärt, denn 5/8erl in Ehr'n sind vieles: ein bisschen politisch, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Sie streifen das Wienerlied, verfügen über Charme, Schmäh und Handwerk und beschreiben sich mit allen Unschärfen als Wiener Soul. In manchen Songs jazzelt es, andere sind Liedermacherei. Manchmal taucht der Blues auf, und dann erinnert das Keyboard tatsächlich an Soul. Slivovsky hebt eine Braue: "Genres sind uns egal. Wir hatten nie einen Plan, wo wir als Band hinwollten. Wir wissen nur, was wir nicht wollten."

Auf der Shitlist der 5/8erl steht unter anderem der Schlager und ganz oben das Musikkabarett. "Da krieg ich schon beim Wort einen Hautausschlag", sagt Slivovsky und erzittert wie bei einem plötzlichen Kälteeinbruch.

5/8erl in Ehr'n bestehen seit 2006. Ursprünglich gab es die Idee, sagt Slivovsky, Peter-Alexander-mäßig musizierend durch die Wiener Gastgärten zu ziehen. So kam es zur Namensfindung. Da knickt Slivovsky etwas ein. "Der Name ist heute das Schlechteste an der Band. Viel haben wir uns da nicht überlegt. Aber wenigstens stehen wir damit im Alphabet immer weit vorne."

Slivovsky ist 34 und eine Erscheinung mit einer gewissen Helmut-Qualtinger-Affinität. Bei den Liveauftritten ist er der Expressionist. Da regnet es manchmal Speichel in den ersten Reihen, und die Adern an seinen Schläfen wollen nach draußen. Dennoch ist er ein zärtlicher Sänger, ein Sitzriese, der den Wiener Soul mit Herzblut flutet. Dasselbe gilt für den Gesang Max Gaiers. Man höre etwa das Lied Blumenwiesenwort auf dem neuen Album: eine Soulminiatur.

Im selben Idiom behandelt die Band politische Themen, wobei der ehemalige Sängerknabe Slivovsky Wert darauf legt, das Politische zwischen die Zeilen zu verräumen. "Ansonsten kann man das Lied gleich vergessen."

Duschen nach dem Ball

Selbst wenn das politische Moment so deutlich hervortritt wie im Akademikerball, wird es nicht moralinsauer. Über einen gepflegten Ekel schaffen 5/8erl eine Distanz zum Sujet ihrer Besingung. Das ergibt einen Tonfall, der den Gedanken nahelegt, die Band möchte nach dem Lied am liebsten duschen, um sich von dem Odeur zu befreien, dem sie sich ob dieser leider notwendigen Betrachtung aussetzen musste.

Verschlüsselter ist da schon Alaba - How Do You Do? Darin bekommt zwar der vom Hochdeutschen unbefleckte Tiroler Landeshauptmann Günther Platter etwas ab. Doch die 5/8erl erheben das Thema in eine Assoziationskette über Schlagzeilen und die darin vorkommende Halb- und Viertelprominenz. Veredelt wird das Lied vom Video dazu, in dem David Alaba auftaucht. Über Bekannte hat er der Band einen Clip geschickt, in dem er "Yes we does" ausrichtet und das Victory-Zeichen macht. Dafür braucht man auch den Mittelfinger. Vielleicht hat Platter ja Youtube.

Slivovsky sagt, das sei natürlich ein sarkastisches Lied, aber trotz all dem Unwohlgefühl sei die Band an positiven Dingen stärker interessiert als an negativen. Ganz so, wie sie es in Der Totale Sommerhit singen: "Live by the sun, love by the moon." (Karl Fluch, DER STANDARD, 16.10.2014)

5/8erl in Ehr'n live: 16. 10. Linz Posthof; 17. 10. Ebensee, Kino; 18. & 19. 10. Salzburg, Arge; 23. 10. Innsbruck, Treibhaus; 24. 10. Aflenz, Sublime; 31. 10 Tulln, Stadtsaal

  • 5/8erl in Ehr'n sind dem Positiven eher zugeneigt als dem Negativen. Um das Gute zu finden, müssen sie oft sehr genau schauen. Für ihr neues Album "Yes We Does" wurden sie dennoch fündig.
    foto: klaus pichler

    5/8erl in Ehr'n sind dem Positiven eher zugeneigt als dem Negativen. Um das Gute zu finden, müssen sie oft sehr genau schauen. Für ihr neues Album "Yes We Does" wurden sie dennoch fündig.

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