Anleger flüchten wieder aus Aktien

15. Oktober 2014, 15:54
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Schwache US-Daten sorgen für schlechte Stimmung: Der deutsche Leitindex verlor in der Spitze um über drei Prozent, auch an der Wall Street geht es bergab

Die Angst vor einem Abflauen der Weltwirtschaft sorgt für einen Ausverkauf an den Börsen. Der deutsche Leitindex sank in der Spitze um bis zu 3,1 Prozent auf 8.556 Punkte und notierte damit so niedrig wie seit einem Jahr nicht mehr. Zu Börsenschluss konnte der Dax die Verluste wieder etwas wettmachen. Auch an anderen europäischen Börsen gingen die Kurse in den Keller: Der EuroStoxx50 verlor 3,3 Prozent auf 2.901 Zähler. Besonders deutlich waren die Kursverluste in Athen: Der griechische Leitindex verbuchte den größten Tagesverlust seit 2008 und stürzte in der Spitze um 10,1 Prozent ab. Auch in New York ging es bergab.

Der Euro kletterte dagegen um mehr als einen halben US-Cent auf ein Tageshoch von 1,2742 Dollar. Das Minus an der Wiener Börse fiel tagsüber vergleichsweise milde aus: Der Leitindex ATX gab zu Mittag 1,82 Prozent ab. Aus dem Handel ging die Wiener Börse allerdings einmal mehr tiefrot: Der Leitindex schloss mit einem Minus von 2,70 Prozent.

"Die immer größeren Konjunktursorgen und die weiter schwelenden Krisenherde in Syrien, der Ukraine oder im Irak überschatten die zuletzt teils guten Unternehmenszahlen, daher kommt es zu einem regelrechten Käuferstreik", sagte Kapitalmarkt-Experte Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser.

Rückschlag in den USA

Die zuletzt so starke US-Wirtschaft hat im September einen kräftigen Rückschlag erlitten. Der Umsatz im Einzelhandel schrumpfte um 0,3 Prozent zum Vormonat, wie das Handelsministerium mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem kleinen Minus von 0,1 Prozent gerechnet, nachdem es im August noch ein Wachstum von 0,6 Prozent gegeben hatte. Auch der erfolgreiche Verkaufsstart für die neuen iPhone-Modelle 6 und 6 plus von Apple Mitte September hat den Rückgang nicht verhindern können. Der Einzelhandel steht für etwa ein Drittel des privaten Konsums, der wiederum rund 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der weltgrößten Volkswirtschaft ausmacht.

Schlechte Nachrichten aus der Industrie

Schlechte Nachrichten kommen auch aus der Industrie: Im wichtigen Bundesstaat New York fiel das Konjunkturbarometer der regionalen Notenbank im Oktober überraschend stark von 27,54 auf 6,17 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit einem halben Jahr, nachdem im September noch ein Fünfjahreshoch erreicht worden war.

"Die Verbraucher werden vorsichtiger", sagte Ökonom Red Wieseman von der Investmentbank Morgan Stanley. Andere Experten warnen vor übertriebenem Pessimismus. "Durch die guten Vormonatsergebnisse liegen die Einzelhandelsumsätze noch immer 4,3 Prozent über dem Vorjahresergebnis", sagte BayernLB-Ökonomin Christiane Berg. Dennoch drückten die Daten den Dax weiter ins Minus. (red, derStandard.at, 15.10.2014)

  • Der Dax erleidet einen kräftigen Schwächeanfall.
    foto: ap/rumpenhorst

    Der Dax erleidet einen kräftigen Schwächeanfall.

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