Per Großeinkauf die Umwelt schützen

16. Oktober 2014, 17:38
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Seit 15 Jahren ökologisiert die Gruppe ÖkoKauf Wien das Beschaffungswesen des Magistrats. Inzwischen gibt es bereits Leitlinien für 120 Produktgruppen.

Wien - Es war nur eine kleine, aber höchst engagierte Gruppe, die sich kreuz und quer aus mehreren Abteilungen im Wiener Magistrat zusammensetzte. Der Kreis um die damalige Wiener Umweltanwältin Karin Büchl-Krammerstätter und die Klimaschutzbeauftragte Christine Fohler-Norek kam auch aus unterschiedlichen Hierarchieebenen, aber alle hatten ein gemeinsames ein Ziel: die Ökologisierung des Beschaffungswesens der Stadt Wien.

Äußerer Anlass war eigentlich das massive Sommerozonproblem, das die Stadt damals vor 15 Jahren hatte. "Wir mussten einen Maßnahmenplan erarbeiten - kamen aber sehr schnell zu der Erkenntnis, dass man im Grunde nur strukturell gegensteuern konnte", erinnert sich Büchl-Krammerstätter, inzwischen Leiterin der Umweltschutzabteilung MA 22 im Standard-Gespräch.

Verzicht auf PVC-Produkte

Also sollte als Erstes das Beschaffungswesen unter die ökologische Lupe genommen werden - und zwar beim größten Auftraggeber der Stadt: dem Magistrat. Einer der ersten Erfolge war der komplette Verzicht auf PVC-Produkte. Als Nächstes wurde eine Auswahl ökologischer Papiersorten erstellt, bei deren Herstellung etwa auf Chlorbleiche verzichtet wurde. Diese "Papiermustermappe" gibt es inzwischen in der vierten Auflage. Immer wieder war sehr viel Überzeugungsarbeit angesagt. Wenn es etwa darum ging, in Zeiten des massiv chemisch-sterilen Saubermachens just Spitäler davon zu überzeugen, dass manche Reinigungs- und Desinfektionsmittel reduziert und durch nachhaltigere Produkte ersetzt werden können.

Gleichzeitig ging die ÖkoKauf-Gruppe im Wiener Magistrat aber auch im Hintergrund strategisch gezielt vor. Immer wieder gelang es, in Programmen der Stadt Wien das Bekenntnis zum nachhaltigen Einkauf festzuschreiben. Sei es etwa im Klimaschutzprogramm oder im Abfallwirtschaftsgesetz. Dass die Initiative auch von der Magistratsdirektion selbst aktiv unterstützt wurde, festigte die Position der Initiative.

15 bis 26 Arbeitsgruppen

Immer mehr Themenfelder konnten von den 15 bis 26 ÖkoKauf-Arbeitsgruppen aufgearbeitet werden. Für den Fuhrpark wurden etwa Kriterien für die Beschaffung von Fahrzeugen, Baumaschinen und Traktoren erstellt. Die Haustechniker der Stadt Wien können nachschauen, welche ökologischen Kriterien für Boiler, Leuchtmittel, Heizkörper, Aufzüge, Kältemaschinen, ja sogar bei Urinalen zu berücksichtigen sind.

Grundlagen gibt es auch für den Hochbau, wo die Auswahl der Materialien - vom Dämmmaterial bis zu den Fassadenfarben - für die Ökobilanz von ganz entscheidender Bedeutung ist. Es gibt Ökokriterien für den Schulbau, für den Innenausbau, den Kauf von Lebensmitteln, Reinigungsmitteln, Möbeln, Textilien, Feuerlöschmitteln. Sogar für die Beschaffung von Werbeartikeln wurde eine Richtlinie erarbeitet.

Die "Wirkungsanalyse"

Zum 15-Jahr-Jubiläum hat nun das Beratungsinstitut ConPlusUltra in einer "Wirkungsanalyse" nachgespürt, was ÖkoKauf Wien tatsächlich gebracht hat. Das Ergebnis "hat uns in unserer Arbeit nur neu bestärkt", bilanziert Büchl-Krammerstätter.

Ein paar Details zeigen, dass auch viel Kleinvieh Großmist machen kann - oder, besser gesagt: Großmist vermeiden kann. So konnten durch ÖkoKauf-Maßnahmen beispielsweise jährlich 15.000 Tonnen an CO2 eingespart werden. Rund 4000 Kilo an schädlichen Lösungsmitteln kamen nicht zum Einsatz. Und das alles bringt auch noch Geld: Durch moderne Gebäudetechnik und die Anschaffung energieeffizienter Geräte konnten insgesamt 1,5 Millionen Euro eingespart werden.

Eine Wanderausstellung

Die wichtigsten Ergebnisse der Wirkungsanalyse wurden von Studentinnen der Angewandten in einer haptisch begreifbaren Wanderausstellung präsentiert - sie wird zunächst vom 17. bis 24. Oktober in der VHS Favoriten Station machen.

Im Ausland sind die ÖkoKauf-Erfolge inzwischen bekannter als in Wien selbst: "Das ökologische Beschaffungswesen unserer Stadt hat bereits internationale Vorbildwirkung", betonte Umweltstadträtin Ulli Sima bei der Präsentation am Mittwoch. Wiener ÖkoKauf-Experten halten Vorträge von Washington bis Tokio - und nehmen auch internationale Auszeichnungen entgegen.

Produktdatenbanken auf der Homepage

Die Programmergebnisse von ÖkoKauf Wien und vor allem auch alle Produktdatenbanken sind über das Internet öffentlich zugänglich. (frei, DER STANDARD, 16.10.2014))

  • Manchmal geht es beim ÖkoKauf der Stadt Wien einfach auch nur ums  Weniger-einkaufen-Müssen: Allein durch doppelseitiges  Drucken und  Kopieren konnten pro Jahr 300 Tonnen Officepapier eingespart werden.
    foto: matthias cremer

    Manchmal geht es beim ÖkoKauf der Stadt Wien einfach auch nur ums Weniger-einkaufen-Müssen: Allein durch doppelseitiges Drucken und Kopieren konnten pro Jahr 300 Tonnen Officepapier eingespart werden.

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