A1-Chef: Netflix kann für bessere Leitungen zahlen

15. Oktober 2014, 13:01
480 Postings

Plan für schnellere DSL-Verbindungen vorgestellt

Mehr Bandbreite aus dem Kupfernetz holen will A1 mit der jüngst vorgestellten G.fast-Technologie. In Kombination mit Vectoring, das man Anfang 2012 präsentierte, sollen damit künftig deutlich höhere Bandbreiten erzielbar sein.

Um das Zehn- bis Zwanzigfache soll der Durchsatz gesteigert werden können. Unter Laborbedingungen erreichte man ein Gigabit pro Sekunde, realistisch ist ein Durchsatz von mehreren hundert Megabit.

G.fast-Rollout ab Ende 2015 vorgesehen

G.fast ist eine Lösung, die für dichter besiedelte Gebiete infrage kommt, da die erzielbare Bandbreite mit der Entfernung zur Schaltstelle schnell abnimmt. Ist aber einmal ein Glasfaserkabel bis in den Keller des jeweiligen Hauses verlegt, besteht der restliche Aufwand in der Einrichtung eines entsprechenden Schaltkastens und dem Austausch der Modems der Kunden.

Sofern seitens des Regulators alle Genehmigungen vorliegen, soll G.fast Ende 2015 oder Anfang 2016 eingeführt werden, wobei über künftige Tarife noch keine Angaben gemacht werden. Als Testkunde fungiert schon jetzt der Impact Hub in der Lindengasse in Wien-Neubau.

Breitbandmilliarde

Geht es um den Glasfaserausbau auf dem Land, verweist A1-Chef Hannes Ametsreiter auf die Breitbandmilliarde. In vielen Gebieten rechne sich eine Erneuerung der Infrastruktur erst mit entsprechender Förderung.

In sehr dünn besiedelten Arealen garantiere auch eine Zuzahlung keine Rentabilität. In diesen Fällen will man schnelle Internetanbindungen durch LTE-Abdeckung verfügbar machen.

Übergangstechnologien

Vectoring und G.fast – und somit eine Revitalisierung der Kupferleitungen – müssten auch deswegen eingeführt werden, weil der flächendeckende Ausbau von Glasfaser ein Projekt für "Jahrzehnte" sei. Der Bedarf an Bandbreiten von 100 Megabit pro Sekunde und mehr steige schneller, als man die neuen Leitungen verlegen könne, so der A1-Chef.

Gerüstet für Netflix und Co

Der zunehmende Online-Videokonsum ist für den steigenden Datenverkehr eine wesentliche Ursache. Zu beliebten Plattformen wie Youtube gesellen sich nunmehr auch Streaming-Dienstleister wie Netflix, die ihren Content in hoher Auflösung in die Wohnzimmer transportieren. Was heute bereits standardmäßig in Full HD geliefert wird, wird in absehbarer Zeit in 2K- und 4K-Auflösung für deutlich mehr Datendurchsatz sorgen.

Bei A1 sieht man sich in Hinblick auf ADSL- und Glasfaserverbindungen dafür gerüstet, da es sich hier jeweils nicht um ein Shared Medium handelt, Kunden sich auf ihrer Leitung also nicht die Bandbreite mit anderen teilen müssen. Künftig verfügbare Bandbreiten sollen mit dem Bedarf mithalten können.

A1 bot Netflix bezahlte Optimierungen an

Von der Belastung betroffen sei man allerdings am Backbone. Man habe Netflix angeboten, ein bezahltes Content Delivery Network einzurichten, um optimale Performance bei der Auslieferung der Streams dauerhaft sicherzustellen, so Ametsreiter. Das habe das Unternehmen abgelehnt, die Tür für eine zukünftige Zusammenarbeit stehe allerdings offen.

In den USA ist es hinsichtlich des hohen Bandbreitenbedarfs von Netflix und ähnlichen Dienstleistern bereits zu Kontroversen gekommen. Nachdem zahlreiche Kunden größerer Provider wie Verizon, Time Warner Cable und AT&T sich über plötzlich auftretende Probleme bei der Netflix-Nutzung beklagt hatten, kam der Verdacht auf, dass der Datenverkehr des Unternehmens möglicherweise absichtlich gedrosselt wurde, um die Zahlung einer "Verbindungsmaut" zu erzwingen.

Mit Verweis auf die Netzneutralität wehrte sich Netflix lange gegen entsprechende Forderungen, ist mit sämtlichen "Großen" aber mittlerweile Abkommen eingegangen. Diese sind zwar nicht einsichtig, seit ihrer Ausfertigung hat sich die Situation auf technischer Seite aber wieder beruhigt.

Ametsreiter zufrieden mit Netztest-Ergebnis

In einem von Netflix durchgeführten Test wurde den österreichischen Netzen hohe Qualität bescheinigt. Ametsreiter sieht das Land hinsichtlich der Infrastruktur in der "Champions League der Netze", wenngleich A1 und Tele 2 beim Datendurchsatz eines durchschnittlichen Netflix-Streams der Konkurrenz etwas hinterherhinkten.

A1-Technikvorstand Marcus Grausam betont, dass der Unterschied sich einerseits nicht in einem relevanten Bereich bewege und andererseits auch darauf zurückzuführen sei, dass A1 ein wesentlich größeres Netz besitze als seine Konkurrenten. (Georg Pichler, derStandard.at, 15.10.2014)

  • A1 hat Netflix die bezahlte Einrichtung eines Content-Delivery-Networks angeboten.
    foto: reuters

    A1 hat Netflix die bezahlte Einrichtung eines Content-Delivery-Networks angeboten.

Share if you care.