Offener Brief an ORF-Stiftungsrat: Erhalt des Funkhauses gefordert

15. Oktober 2014, 11:41
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Rund 1.400 Personen des österreichischen Kulturlebens haben Schreiben unterzeichnet - Absiedelung sei "eine Fehlentscheidung"

Wien - Einen von rund 1.400 Personen des heimischen Kulturlebens unterzeichneten offenen Brief hat am heutigen Mittwoch der ORF-Stiftungsrat erhalten. Darin wird neuerlich der Erhalt des Funkhauses in der Wiener Argentinierstraße eingefordert. Die Absiedelung der betreffenden ORF-Radios und des Wiener Landesstudios sei "eine Fehlentscheidung", wie betont wird.

Der Brief ist nach der "Geburtstags-Kundgebung" der Initiative "Radio muss im Funkhaus bleiben" Anfang Oktober nun der nächste Versuch, die ORF-Geschäftsführung bzw. das oberste ORF-Gremium zu einer neuerlichen Befassung mit der Standortfrage zu bewegen. Im von Autor Gerhard Ruiss und Schauspieler Karl Markovics verfassten Schreiben wird auf die "breite Allianz gegen dieses Vorhaben" verwiesen, die für die ORF-Radios die Nähe zur Innenstadt als "unabdingbare Voraussetzung" ansieht. "Ein multimedialer Newsroom am Küniglberg kann niemals den jetzigen Standortvorteil für die Radios wettmachen."

Kein "zentral generierter Einheitsbrei"

Der Erfolg eines Senders stelle sich "nicht durch zentral generierten Einheitsbrei, sondern durch ein ausdifferenziertes Angebot für unterschiedliche Zielgruppen" ein. "Dazu bedarf es auch unterschiedlicher Arbeitswelten und Herangehensweisen." Das vom ORF ins Treffen geführte Einsparungspotenzial durch die Zusammenlegung der Wiener ORF-Standorte wird indes stark bezweifelt, sei doch zu befürchten, dass "die bei solchen Großprojekten regelhaften Baukostenüberschreitungen nicht nur die erhofften Einsparungen auffressen, sondern darüber hinaus weiteren Personalabbau und damit eine Verschlechterung des Programmangebots erzwingen würden".

Als Lösung erhofft man sich, dass das Funkhaus seine Aufgabe als Radiozentrum nicht verlieren werde, sondern "die Sender ihrer Bedeutung entsprechend an ihrem bisherigen Standort" aufgewertet werden. "Wenn Sie der Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wie er sich in unserem Land spezifisch darstellt, entsprechen wollen, muss dies ganz in Ihrem Sinn sein", heißt es abschließend. Unterzeichnet wurde der offene Brief bis dato etwa von Eva Blimlinger, Erhard Busek, Maria Hofstätter, Friedrich Cerha, Olga Neuwirth, Alfred Dorfer oder Elfriede Jelinek. (APA, 15.10.2014)


Die Namen einiger der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner:

Friedrich Achleitner, Christian Ludwig Attersee, Udo Bachmair (Präsident der Vereinigung für Medienkultur), Ruth Beckermann, Helmut Berger, Reinhold Bilgeri, Maxi Blaha, Eva Blimlinger (Rektorin Akademie der bildenden Künste), Alois Brandstetter, Erhard Busek (Vorstand Institut für den Donauraum und Mitteleuropa), Friedrich Cerha, Gerhard Deiss (Botschafter), Wolfgang Denk (Gründungsdirektor Kunsthalle Krems, Gründungsdirektor Nitsch Museum Mistelbach), Carl Djerassi, Christine Dollhofer (Intendantin Crossing Europe), Alfred Dorfer, Franzobel, Marino Formenti, Michou Friesz, Barbara Frischmuth, Clemens Gadenstätter, Karl Markus Gauß, Arno Geiger, Wolfgang Glück, Andreas Großbauer (Vorstand Wiener Philharmoniker im Namen der Wiener Philharmoniker), Paul Gulda, Josef Hader, Maja Haderlap, Hagen Quartett, Händl Klaus, Maria Happel, Alice Harnoncourt, Nikolaus Harnoncourt, Philipp Harnoncourt, Josef Haslinger (Präsident deutscher P.E.N.-Club), Monika Helfer, André Heller, Peter Henisch, Markus Hering, Miguel Herz-Kestranek, Markus Hinterhäuser (Leiter Wiener Festwochen), Maria Hofstätter, Edgar Honetschläger, Peter Huemer (Arbeitsgruppe ORF-Reform des Bundeskanzleramts), Hans Hurch (Direktor Viennale), Agnes Husslein (Direktorin Belvedere), Elfriede Jelinek, Walter Kappacher, Dieter Kaufmann, Veronica Kaup-Hasler (Intendantin steirischer herbst), Herwig Kempinger (Präsident Secession), Angelika Kirchschlager, Rudi Klein, Doris Knecht, Edelbert Köb, Franz Koglmann, Michael Köhlmeier, Christian Kolonovits, Alfred Komarek, Karl Korinek (Ehrenpräsident der Freunde der Wiener Staatsoper), Ernst Kovacic, Michael Kreihsl, Bernhard Lang, Chris Lohner, Ulrike Lunacek (Vizepräsidentin Europaparlament), Erni Mangold, Peter Matic, Thomas Maurer, Friederike Mayröcker, Robert Menasse, Reinhold Messner, Robert Meyer (Direktor Wiener Volksoper), Felix Mitterer, Christian Muthspiel, Bertl Mütter, Matthias Naske (Intendant Wiener Konzerthaus), Marianne Nentwich, Olga Neuwirth, Cornelius Obonya, Erwin Ortner (Leiter Arnold Schönberg-Chor), Elfriede Ott, Werner A. Perger (Die Zeit), Hermes Phettberg, Barbara Pichler (Festivalleitung Diagonale), Erika Pluhar, Alf Poier, Martin Pollack, Wolfgang Puschnig, Doron Rabinovici, Christoph Ransmayr, Lukas Resetarits, Gerhard Roth, Mathias Rüegg, David Schalko, Robert Schindel, Benjamin Schmid, Roman Schliesser (Adabei), Wolfgang Schlögl (i-Wolf), Franz Schuh, Reinhard Schwabenitzky, Kurt Schwertsik, Gregor Seberg, Ulrich Seidl, Daniel Spoerri, Krista Stadler, Burkhard Stangl, Erwin Steinhauer, Ursula Strauss, Marlene Streeruwitz, Joseph Strelka, Daniela Strigl, Roland Teichmann (Direktor Österreichisches Filminstitut), Milan Turkovic, Peter Turrini, Ilija Trojanow, Peter Tscherkassky, Andreas Vitasek, Christoph Wagner-Trenkwitz, Peter Waterhouse, Wiener Philharmoniker, Gerald Wirth (Präsident der Wiener Sängerknaben), Heinz Zednik (Präsident der Freunde der Wiener Staatsoper), Herwig Zens

  • Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi während der Geburtstags-Kundgebung vor dem ORF-Funkhaus in Wien.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi während der Geburtstags-Kundgebung vor dem ORF-Funkhaus in Wien.

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