Infizierte Pflegekraft in den USA reiste mit Flugzeug 

15. Oktober 2014, 17:47
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Wies keine Symptome während des Fluges auf

Dallas/Leipzig/Freetown - Die zweite in den USA mit Ebola infizierte Pflegekraft ist kurz vor Ausbruch der Krankheit noch mit einem Passagierflugzeug gereist. Die Person sei am Abend des 13. Oktober von Cleveland im Bundesstaat Ohio nach Dallas in Texas geflogen, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC mit. Am Morgen danach habe sie Fieber bemerkt, wurde positiv auf Ebola getestet und auf eine Isolierstation eingewiesen.

Die Behörde rief alle 132 Passagiere des Flugs 1143 der Linie Frontier Airlines auf, sich zu melden. Die Menschen, die besonders gefährdet für eine Ansteckung seien, würden dann beobachtet.

Normalerweise sind Ebola-Infizierte während der Inkubationszeit - also bis zum Ausbruch der Krankheit - nicht ansteckend. Wegen der kurzen Zeitspanne zwischen Flug und dem einsetzenden Fieber ordnete die Gesundheitsbehörde die Maßnahme aber an.

Wie die zuvor erkrankte Krankenschwester hatte die Pflegekraft in der Klinik Texas Health Presbyterian in Dallas den Ebola-Patienten Thomas D. aus Liberia betreut, der in der vergangenen Woche starb. Der Mann hatte sich in seiner Heimat infiziert, die Krankheit wurde aber erst festgestellt, als er Ende September zu einem Familienbesuch nach Texas reiste.

Infektion trotz Schutzkleidung

Bei D.s Krankenschwester wurde das gefährliche Virus am Wochenende diagnostiziert. Wie sie sich trotz Schutzkleidung und strenger Sicherheitsvorkehrungen infizieren konnte, ist unklar. Es handelte sich um die erste Übertragung des Erregers in den USA.

Inzwischen haben die Gesundheitsbehörden mehr als 70 Krankenhausmitarbeiter unter Beobachtung gestellt, die bei der Behandlung D.s mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnten. Sie werden auf Fieber und andere Symptome überwacht. Die Gesundheitsbehörden beobachten zudem 48 Personen, die mit D. vor seiner Einlieferung ins Krankenhaus Kontakt gehabt haben könnten.

Der Leiter der US-Seuchenbehörde CDC, Tom Frieden, hatte bereits am Montag gewarnt, dass der Infektion der ersten Krankenschwester weitere Fälle folgen könnten.

UN-Mitarbeiter in Leipzig eingeäschert

Der in einer Leipziger Klinik an Ebola gestorbene UN-Mitarbeiter wurde unterdessen am Dienstagabend eingeäschert, wie ein Sprecher der Stadt am Mittwoch sagte. Der 56-jährige Sudanese war in der Nacht auf Dienstag trotz intensivmedizinischer Behandlung auf der Isolierstation des Klinikums St. Georg in Leipzig gestorben. Er hatte sich beim Kampf gegen Ebola in Liberia angesteckt und war vorige Woche nach Leipzig geflogen worden. Das Gesundheitsamt der Stadt Leipzig hatte aus Sicherheitsgründen entschieden, den Toten zu verbrennen. Auch Leichen sind ansteckend.

Erste Überlebenden-Konferenz

Tausende Menschen in Westafrika, die Ebola überlebt und eine Immunität gegen das Virus erworben haben, sollen künftig im Kampf gegen die Seuche helfen. Entsprechende Pläne sollen bei der ersten Konferenz von Ebola-Überlebenden erörtert werden, die am Donnerstag und Freitag mit Unterstützung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) in Sierra Leone stattfindet.

UNICEF geht davon aus, dass in den nächsten sechs Monaten bis zu 2.500 Ebola-Überlebende für Aufgaben zur Bekämpfung der Seuche ausgebildet werden könnten, darunter als Pfleger erkrankter Kinder. "Die geplante Konferenz ist eine erste Initiative, viele weitere sollten folgen", sagte UNICEF-Sprecher Christophe Boulierac. Ähnliche Vorhaben werden auch in Liberia erörtert, das am stärksten von der Epidemie betroffen ist.

Zu der Konferenz in der Provinzstadt Kenema, die UNICEF gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium von Sierra Leone ausrichtet, werden 35 Ebola-Überlebende aus der Region erwartet. Bei dem Pilotprojekt sollen sie zunächst die Möglichkeit erhalten, sich über ihre Erfahrungen und Probleme auszutauschen. Viele Ebola-Überlebende klagen über gesellschaftliche Ausgrenzung und Stigmatisierung.

In Nigeria und Senegal eingedämmt

In Nigeria und dem Senegal wurde die Krankheit indessen nahezu eingedämmt. Wenn keine neuen Fälle auftreten, wird die Weltgesundheitsorganisation nach eigenen Angaben am Freitag für den Senegal und am kommenden Montag für Nigeria offiziell das Ende des Ausbruchs erklären.

EU-Gesundheitsexperten warnten, auf ein schnelles Ende des Ebola-Ausbruchs in Westafrika zu hoffen. Andererseits geht die EU-Behörde nicht von einem flächendeckenden Ausbruch in Europa aus und warnt in der Grippesaison vor Fehlalarmen wegen ungefährlichen Fiebers. Vonseiten der EU würden bis dato 180 Mio. Euro in den Kampf gegen Ebola gepumpt. Aufseiten der EU-Mitgliedsstaaten seien es 300 Mio. Euro, aber das reiche nicht. Außerdem: "Die größte Herausforderung besteht darin, mehr medizinische Mitarbeiter bekommen", so ein EU-Mitarbeiter. "Ärzte ohne Grenzen" könne diese Aufgabe nicht alleine bewältigen. Die EU-Staaten sollten Freiwillige ausbilden und nach Afrika bringen.

Obama will beraten

Unter anderem zur Frage, ob es künftig systematische Kontrollen von Reisenden geben soll, die nach einem Aufenthalt in Ebola-Gebieten nach Europa kommen, beraten am Donnerstag die EU-Gesundheitsminister in Brüssel. Als einziges EU-Mitglied hat Großbritannien in der Vorwoche vorbeugende Gesundheitskontrollen an großen Flug- und Bahnhöfen eingeführt. Wie die übrigen Mitgliedsstaaten mit dieser Frage umgehen, soll debattiert werden. Die Entscheidung liege bei den Mitgliedsstaaten.

Über den Kampf gegen Ebola wollte auch US-Präsident Barack Obama im Laufe des heutigen Tages mit Staats- und Regierungschefs aus Europa beraten. An der Videokonferenz sollten unter anderem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Präsident Francois Hollande und die Regierungschefs Großbritanniens und Italiens, David Cameron und Matteo Renzi, teilnehmen.

Liberias Pfleger beenden Streik

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind durch die Ebola-Epidemie bereits mehr als 4.400 Menschen ums Leben gekommen. Besonders betroffen sind die westafrikanischen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone. Die WHO befürchtet, dass die Zahl der Infizierten in diesen drei Ländern bis Dezember auf 5.000 bis 10.000 Fälle pro Woche steigen könnte.

Die Pflegekräfte in Liberia beendeten am Dienstagabend nach zwei Tagen ihren Streik, mit dem sie ausstehende Löhne und Risikoprämien erzwingen wollten. Ein Pfleger, der sich am Streik beteiligt hatte, sagte, einer seiner Kollegen sei nach dem Biss durch einen Patienten an Ebola gestorben. "Die Situation ist die Hölle", sagte er. (APA, 15.10.2014)

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