Hongkong: Polizisten wegen Misshandlung suspendiert

Video15. Oktober 2014, 17:05
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Beamte sollen Mann geschlagen haben - Polizei räumt besetzten Tunnel - BBC-Webseite gesperrt

Hongkong - Wegen der mutmaßlichen Misshandlung eines Demonstranten während der jüngsten Unruhen wird gegen mehrere Polizisten in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong ermittelt. Die Beamten seien von ihren derzeitigen Aufgaben entbunden worden, sagte Sicherheitschef Lai Tung Kwok. Er versprach eine genaue und faire Untersuchung des Vorfalls. Die Anzahl der suspendierten Polizisten wurde nicht genannt.

Schläge und Tritte

Auf einem von dem TV-Sender TVB veröffentlichten Video ist zu sehen, wie ein Polizist einen gefesselten Demonstranten schlägt, der in einer dunklen Ecke eines Parks auf dem Boden liegt. Drei weitere Beamte treten den Mann mehrfach. Dem Sender zufolge dauert der Angriff vier Minuten. Der Demonstrant gehört offenbar der Demokratiegruppe Civic Party an. Die Organisation schaltete einen Anwalt ein. Studentenführer Joshua Wong sagte, die Polizei habe nun jegliches Vertrauen verspielt.

Die Polizei in Hongkong hatte Mittwochfrüh erneut gewaltsam einen Protestort der Demokratiebewegung geräumt und dutzende Demonstranten festgenommen. Mit Schlagstöcken bewaffnet rückten die Beamten auf eine von den Protestierenden besetzte Hauptstraße nahe der Stadtverwaltung vor und räumten neu errichtete Barrikaden ab. Es gab Verletzte auf beiden Seiten, wie ein Reporter berichtete. Nach Angaben der Polizei wurden mindestens 45 Menschen festgenommen.

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Tunnel geräumt

Die Polizisten räumten den wenige Stunden zuvor von Aktivisten besetzten Tunnel der Lung-Wo-Straße nahe dem Regierungssitz und öffneten die Hauptverkehrsader wieder für den Verkehr. Es gab chaotische Szenen, als Polizisten Demonstranten zu Boden rangen. Unter den Festgenommenen waren 37 Männer und acht Frauen.

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BBC-Webseite gesperrt

Am Mittwoch hat die Volksrepublik China die englischsprachige Website der britischen Rundfunkgesellschaft BBC vollständig gesperrt. Die Sperrung ist die erste derartige Maßnahme seit Dezember 2010, als der chinesische Dissident Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis erhielt.

Das chinesischsprachige BBC-Angebot ist seit seinem Start 1999 in der Volksrepublik China so gut wie durchgehend gesperrt. Eine größere Ausnahme gab es lediglich im Umfeld der Olympischen Spiele in Peking 2008.

Freie Wahlen als Forderung der Demonstranten

Die Proteste in der früheren britischen Kronkolonie, die seit 1997 als autonom regierte Sonderverwaltungsregion zu China gehört, dauern bereits seit mehr als zwei Wochen an. Auslöser waren Beschlüsse Pekings, 2017 zwar eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. (APA, 15.10.2014)

  • Ein Video zeigt die mutmaßlichen Schläge.
    foto: reuters/apple daily

    Ein Video zeigt die mutmaßlichen Schläge.

  • 45 Festnahmen in Hongkong am Dienstag
    foto: reuters/tyrone siu

    45 Festnahmen in Hongkong am Dienstag

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