OMV-Aufsichtsrat kann sich nicht auf Roiss-Nachfolger einigen

15. Oktober 2014, 08:30
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Gashandel wird mit Ölhandel zusammengelegt - Vorzeitiges Ausscheiden von Roiss und Floren kostet Millionen

Wien - Es war eine Sitzung, die den ganzen Tag über gedauert hat. Bis in die Abendstunden haben die Syndikatspartner der OMV – die ÖIAG, die für die Republik den 31,5-Prozent-Anteil verwaltet, und der Staatsfonds Ipic aus Abu Dhabi – am Dienstag in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung konferiert. Die Ergebnisse reichten dann gerade einmal für fünf Sätze in einer Mitteilung der OMV. Fix ist demnach, dass OMV-Chef Gerhard Roiss das Unternehmen per 30. Juni 2015 verlässt, und zwar "einvernehmlich", wie es heißt. Der Aufsichtsrat mache sich nun auf die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für dessen Nachfolge.

Warum der Brite David Davies, der als fixer Nachfolger gehandelt wurde, am Dienstag doch nicht bestellt wurde, konnten nach der Sitzung selbst Insider nicht mehr erklären. In der Sitzung sollen sich noch einige Dinge zugespitzt haben, war jedenfalls zu hören. Davies ist seit 2002 Finanzvorstand und seit 2011 stellvertretender Generaldirektor der OMV.

Strategische Neuausrichtung

Einen kleinen Einblick gab es auch in die strategische Neuausrichtung des Mineralölkonzerns. Der Geschäftsbereich Gas und Power wird in den Geschäftsbereich Raffinerien und Marketing integriert. Dadurch werde der gemeinsame Bereich Downstream geschaffen, den das Vorstandsmitglied Manfred Leitner ab 1. Jänner 2015 leitet. Hans-Peter Floren, akuteller Vorstand für den Bereich Gas und Power, scheidet ebenfalls aus – mit ihm werden nun diesbezügliche Verhandlungen aufgenommen, heißt es.

Als Grundlage für die Neuausrichtung dient ein vom Unternehmensberater McKinsey im Auftrag der OMV ausgearbeitetes Papier. Dieses sieht im Wesentlichen eine deutliche Schrumpfung des Gasbereichs vor. Der frühere "Geldesel" von Österreichs größtem Industriekonzern ist nicht zuletzt durch schwere Verwerfungen auf dem Markt unter Druck gekommen.

McKinsey hatte vorgeschlagen, das Gasgeschäft als eigenständigen Geschäftsbereich zu streichen – womit eben auch Floren obsolet geworden ist. Das war zwar ganz im Sinne von OMV-Chef Roiss, der den aufmüpfigen Floren schon seit längerer Zeit loswerden wollte und dessen Absetzung aktiv betrieb. Die Ironie des Schicksals ist, dass nun beide gehen müssen.

Scharfe Kritik vom Ex-ÖIAG-Vorstand

Nationalbankpräsident Claus Raidl, früher selber ÖIAG-Vorstand, hat heute scharfe Kritik am Vorgehen der ÖIAG bei der OMV geübt. Das Ganze sei ein "Desaster", sagte Raidl am Dienstagabend in der ZiB2. Der Vertrag von OMV-Chef Gerhard Roiss sei ja erst vor einem Jahr verlängert worden. Die Tatsachen hätten sich nicht verändert, offenbar sei man damals zu "feige" gewesen, wetterte er.

Auch die jetzige Entscheidung, dass Roiss noch bis Juni 2015 im Amt bleibe, hält Raidl für falsch. In Personalfragen müssten rasch Entscheidungen getroffen und diese rasch umgesetzt werden. Wer werde nun noch ernsthaft mit Roiss reden, fragte er.

Der ÖIAG fehle offenbar das Gespür im Umgang mit börsenotierten Unternehmen. "Diese ÖIAG mit dem Vorstand und dieser Aufsichtsratsstruktur braucht wirklich niemand". Rückblickend sei die ÖIAG-Reform der schwarz-blauen Regierung ein Fehler gewesen. Man habe damals auf seinen Rat hin die Politisierung des Aufsichtsrats beseitigen wollen, es habe sich aber eine gewisse Gruppe etabliert, die sich selbst erneuere und ihre eigenen Interessen verfolge: "Aus dem Prellbock zwischen Politik und Wirtschaft wurde ein Bunker."

Harsche Kritik an ÖIAG

Im Vorfeld war schwere Kritik am Vorgehen der Verstaatlichtenholding ÖIAG geübt worden. Aus der OMV und Anlegerkreisen waren zuletzt Stimmen laut geworden, die eine zeitliche Entkoppelung der Personal- und der Strategieentscheidung forderten. Man sollte das eine nicht mit dem anderen vermengen, die neue OMV-Führung soll durch eine vorzeitige Entscheidung über die künftige Strategie nicht präjudiziert werden.

Auch die Zusammenlegung des Gashandels mit dem Ölhandel unter der Leitung von Leitner entstammt dem McKinsey-Papier. Econgas, die schwer in Schieflage geratene Großhandelsgesellschaft, solle verkauft werden – inklusive Beteiligung am schwer defizitären LNG-Terminal in Rotterdam. Die Hoffnungen, mit der Anlandung von verflüssigtem Erdgas, der Regasifizierung desselben und der anschließenden Vermarktung feste Gewinne machen zu können, haben sich durch die Verwerfungen auf dem Markt verflüchtigt.

Auf der Verkaufsliste steht auch das Gaskraftwerk Samsun in der Türkei, für das es zurzeit keine Interessenten gibt. Was dann noch vom Gasgeschäft übrig bleibt, etwa die Entwicklung von Gasfeldern wie im Schwarzen Meer, soll in die Sparte Exploration und Produktion gelegt werden. Deren Chef, Vorstandsdirektor Jaap Huijskes, hat kürzlich überraschend seinen vorzeitigen Austritt aus dem Unternehmen bekanntgegeben. Aus "privaten Gründen" gehe er schon 2016 und nicht erst bei Auslaufen seines Vertrags 2017 zurück in die Niederlande. Der vorzeitige Abgang von Roiss und Floren, deren Verträge erst im Vorjahr verlängert wurden, wird Millionenzahlungen nach sich ziehen. (stro, ung, DER STANDARD, 15.10.2014)

  • Gerhard Roiss scheidet mit Ende Juni 2015 aus dem Unternehmen aus.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Gerhard Roiss scheidet mit Ende Juni 2015 aus dem Unternehmen aus.

  • David Davies (re.) gilt als heißester Nachfolgekandidat. Vorerst konnte sich der Aufsichtsrat aber nicht auf den Briten einigen.
    foto: apa/pfarrhofer

    David Davies (re.) gilt als heißester Nachfolgekandidat. Vorerst konnte sich der Aufsichtsrat aber nicht auf den Briten einigen.

  • Manfred Leitner wird Chef der neuen Großsparte Downstream.
    foto: dapd/punz

    Manfred Leitner wird Chef der neuen Großsparte Downstream.

  • Die Zusammensetzung des OMV-Vorstands.

    Die Zusammensetzung des OMV-Vorstands.

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