"Abfall, Bergland, Cäsar": Zielsichere ABC-Schützin

14. Oktober 2014, 18:40
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Werner-Schwab-Abend am Wiener Schauspielhaus

Wien – Als Prosaschriftsteller soll sich Werner Schwab gesehen haben und seine Dramen bloß als Mittel zum Zweck finanzieller Absicherung. Um eben später Prosa schreiben zu können. Zu diesem Später ist es nie gekommen, 1994 starb Schwab 35-jährig an den Folgen einer Alkoholvergiftung. In den vier Jahren vor seinem Tod verfasste er 16 Theaterstücke und wurde zu einem der meistgespielten deutschsprachigen Dramatiker, seine Prosaarbeiten werden vergleichsweise wenig rezipiert. Umso schöner, dass Abfall, Bergland, Cäsar – Eine Menschensammlung nun im Wiener Schauspielhaus von Barbara Horvath eindrucksvoll vorgetragen wird.

Es ist ein Text, der sich jeder Klassifizierung entzieht. Der Untertitel verweist auf eine literarische Gattung des 17. und 18. Jahrhunderts, die menschliche Charaktertypen vorstellt. Die Schlagworte Abfall, Bergland und Cäsar legen wiederum ein alphabetisches Ordnungsprinzip nahe, dienen aber nur zum Teil als Signifikant für Menschen. Tatsächlich sprachberserkt sich Schwab in dem von Regisseurin Katrin Hammerl mit Dramaturgin Constanze Kargl aufführungsfit gemachten Text durch das gesamte Alphabet.

Zu jedem Buchstaben steht eine Person im Zentrum des Erzählinteresses, die Zuordnung ist aber nicht immer im Text begründet. So bildet Barbara Horvath mit zwei an ihre Seite geholten Zuschauern zwar das Trio Habenichts, Ignorant und Jammerlappen, warum aber gerade C in einer Jauchegrube versinkt und nicht der Ziegenficker P, darüber sollte man sich bei dem Hochgeschwindigkeitsvortrag nicht zu lange den Kopf zerbrechen.

Rustikal und tödlich

Um manche Buchstaben ranken sich kurze Geschichten, andere werden mit zwei Sätzen abgefertigt. Rustikal geht es freilich immer zu, oft genug auch tödlich. Mit Wonne lässt Schwab Figuren über die sprachliche Klinge springen, Barbara Horvath, zu Beginn mit weißer Perücke und einem verkehrt getragenen Hemd (Kostüm: Anna Panzenberger), exekutiert mit höchster Präzision. Die Regie hält sich mit Sperenzchen zurück, der Fokus bleibt stets auf dem gesprochenen Wort. Das genügt auch völlig, wird Aufmerksamkeit auf das Gesagte doch reich entlohnt. (Dorian Waller, DER STANDARD, 15.10.2014)

Bis 27. 11.

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Wiener Schauspielhaus

  • Barbara Horvath galoppiert (auch liegend) am Schauspielhaus durch Werner Schwabs Monolog "Abfall, Bergland, Caesar".
    foto: alexi pelekanos

    Barbara Horvath galoppiert (auch liegend) am Schauspielhaus durch Werner Schwabs Monolog "Abfall, Bergland, Caesar".

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